Die Tränen liefen salzig über meine Lippen, während ich meiner Mutter mit dem Ärmel das blutverschmierte Gesicht sauber wischte. Ihre abgehackten Finger lagen in einem Beutel auf ihrer Brust und ihr sonst immer aufwändig geschminktes Gesicht, hatte von den Faustschlägen jede Form verloren.
Mein Vater lag neben ihr auf dem Rasen, sein Gesicht verbrüht und die Augen blutrot unterlaufen.
»Es tut mir so leid.« Flüsterte ich leise, während ich ihm die weit aufgerissenen Augen schloss.
»Tamara, bist du bereit?« Ich nickte langsam, während Elija mir ein Feuerzeug reichte und das Benzin über meinen toten Eltern verteilte.
Mein Mund sagte ja, aber mein Herz schrie laut nein. Ich war nicht bereit, nicht einmal ansatzweise, aber was spielte es für eine Rolle? Meine Eltern wurden qualvoll zu Tode gefoltert. Dabei hätten sie ihren Mördern nicht geben können, was diese aus ihnen hinaus prügeln wollten, selbst wenn sie es gewollt hätten. Sie hatten keine Ahnung, wo ich mich befand oder was mit mir seit jener Nacht geschehen war, in der ich spurlos verschwand.
Jetzt stand ich hier, mitten im Wald und zündete die Leichen meiner Eltern an, während meine Zwillingsschwester irgendwo da draußen war, in den Fängen eines grausamen Monsters.
Wut breitete sich in mir aus und verdrängte die Trauer, loderte auf wie die Flammen auf dem Gesicht meiner Mutter und verbrannte jedes Gefühl außer Hass.
»Versprich mir das wir meine Schwester finden und dieser dreckige Bastard…« Elija zog mich an sich und flüsterte leise.
»Wir werden ihn finden Kleines und dafür sorgen das er nie wieder jemanden quälen kann.«
Ich schloss meine Augen und eine tiefe Ruhe ging von ihm auf mich über.
Die Tamara von damals gab es nicht mehr, ein letztes Mal erinnerte ich mich an sie, an den Tag als das Böse mich aus meinem Leben riss und meine Welt mit einem Schlag zerschmetterte
Es war ein typischer grauer Herbsttag. Der Korridor lag dunkel und verlassen vor mir, während ich auf das Todesurteil meiner Lehrer und Eltern wartend an der kalten Backsteinmauer lehnte. Mir zu ehren wurde eine Sonderbesprechung abgehalten, wegen mangelhaftem Benehmen und um Lösungen zu finden, mit denen alle Parteien einverstanden wären. Mit "alle Parteien" waren natürlich die Schule und meine Eltern gemeint, dass ich diese beschissene Schule hasste, interessierte niemanden.
Plötzlich vibrierte mein Smartphone in der Tasche meiner Jogginghose, während laut die Musik von Linkin Park durch meine neuen, super teuren Kopfhörer dröhnte.
Plötzlich riss mir jemand die Kopfhörer aus dem Ohr. »Tamy, Tamy, Tamy.« Raunte es dicht neben mir und ich zuckte erschrocken zusammen.
Karl lehnte sich grinsend neben mir an die Wand, so nah das ich seinen Atem an meiner Wange fühlte, während er seine Finger an meinem Hals entlang über das Schlüsselbein in Richtung Reißverschluss meines Hoodies gleiten ließ.
»Du solltest hier wirklich nicht ganz alleine sein, hab ich dir nicht gesagt was ich mir dir machen will, wenn uns keiner sieht?« Ein fieses Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.