Es gibt immer wieder Leute, die beim Investieren regelmäßig ein Dossier nach dem anderen verschlingen. Ich empfehle dabei immer wieder mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und einfach ein wenig das Umsichherum wahrzunehmen. Die aktuelle Geschichte hat sich gerade eben vor wenigen Minuten in Deutschland zugetragen.
Obwohl ich momentan massiv Kopfschmerzen haben, entschloss ich mich kurzfristig dazu doch noch einmal kurz Einkaufen zu fahren. Ich tue dies üblicherweise sehr gerne am späteten Samstag, weil dort üblicherweise weniger Kunden da sind und man lediglich mit den Jugendgruppen an den Kassen konkurriert. Diese sind zwar oft in größeren Gruppen unterwegs, kaufen am Ende aber doch immer nur ein paar Flaschen und lassen sich schnell abfertigen.
Doch heute wollte ich einmal ein paar der Pfandflaschen zurück bringen. Bereits dies ist ja schon in der Form „typisch“ Deutsch. Grundsätzlich gehöre ich dabei nicht einmal zu den Gegnern des Pfands. Nur der Art und Weise wie dies stattfindet. Das man vor einem Automaten hängt und die Flaschen für diesen auseinanderfalten muss, damit dieser die besser... ähm... schreddern kann, sehe ich als sehr exklusives Beispiel dafür an, dass man Automatisierung nicht verstanden hat.
So nähere ich mich den beiden Pfandautomaten. Bereits vor mir steht jemand der fleißig reinstopft. Gerade als ich an den anderen Automaten will, schimpft dieser los, dass der Automat kaputt sei. Da ich noch zur alten Schule gehöre und vollkommen genderfrei ein Gentleman bin, lasse ich ihn an den Automaten den ich gerade belegen wollte und schaue ihm eine ganze Weile dabei zu, wie er seine Flaschen nacheinander auseinander faltet und dann schreddern lässt.
Als er schließlich fertig ist, stecke ich meine erste Flasche ein. Sie wird natürlich abgewiesen und will... auseinander gefaltet werden. Ich seufze und tue dies. Die Flasche wird endlich angenommen und während ich noch zur zweiten Flasche greife, erblicke ich eine Fehlermeldung „Container“ voll. Ich blicke kurz auf den zweiten Automaten „Container voll“. Soviel zum Thema, dass der Automat kaputt ist. Hätte man dies früher gesehen, hätte man das Projekt früher in Angriff genommen.
Ich drücke den Schalter auf dem steht, dass es eine Klingel sein soll, die man drücken soll, wenn der Automat voll ist. Ich mache das einfach mal und warte... und warte... und warte... ganze 5 Minute. Dabei fällt mein Blick auf das Zahlenschloss der Kammer hinter den Automaten. Jemand hat mit einem roten Pulver (Chili?) die Tasten gedrückt. 1115, 1151, 1511,5111 sind die einzig logischen Kombinationen. Und die offene Tür verrät mir, dass es bereits jemand anderes geöffnet hat.
Der Hacker kommt in mir durch, ich schließe dir Tür, drücke 1115 ... Jackpot, die Tür ist offen. Ein Automat der Firma Sielaff... ich merke mir den Namen, damit er niemals bei mir auf der Watchliste
landen wird. Ich schließe die Tür wieder und verwische die rote Spur, damit nicht der nächste auch auf die Idee kommt.
Der Sicherheitsmann steht am Eingang. Ich winke ihn zu mir rüber. Er blickt mir in die Augen und nimmt reißaus. Ich bin mir nicht sicher, ob es mein bedrohliches Äußeres ist oder er bereits eine gewisse Vorahnung hatte, was ich von ihm wollte. Da sich hinter mir bereits eine Schlange bildet mit hilflosen Gesichtern, entschließe ich die Sache in Angriff zu nehmen.
Ich gehe zur Kasse und melde, dass der Automat nicht geht. Von hinten gröllt jemand „Ey, Hinten anstellen!“. Ich entscheide mich dazu nicht weiter auf so etwas einzugehen. Diese Leute schlagen einen irgendwann mit ihrer Erfahrung. Nach 5 Minuten kommt ein Hiwi, der sich um den Automaten kümmert. Damit er besser aus der Kammer kommt, ziehe ich kurz den Wagen zurück. Ein fataler Fehler, da sich sofort zwei aus der Schlange hinter einem vorstürzen. Ich stehe wieder... hinten an.
Denn einen nehme ich mir zur Brust, gebe aber schnell aus, da er entweder sehr stark alkoholisiert oder auf Droge ist. Seine Pupillen sind nicht natürlich und wirkt als würde er sowieso nicht mehr viel abkriegen. Weil er nur ein paar Wasserflaschen (!) abgibt, entscheide ich mich auch diesen Kampf nicht zu führen. Ich führe bereits in letzter Zeit zuviele.
Kaum ist er weg, versuche ich die Flasche einzulegen. Sie wird nicht angenommen. Keiner der Flaschen wird richtig erkannt. Ich überlege erstmals, ob ich den Euro für den Einkaufswagen investieren sollte und einfach als Strafgebühr hinterlassen sollte, weil meine kalkulatorischen Kosten langsam hier nicht mehr in einen grünen Bereich kommen. Drei Flaschen für knapp 25 Minuten sind nicht so geil.
Ich warte weiter bis der Kerl zu den linken fertig ist und stopfe hastig die Flaschen rein. Es funktioniert! Es ist nur die gewohnte Fehlerquote! Da ich ja auch noch Einkaufen will, eile ich rein. Der Sicherheitsmann will mich aufhalten, da ich zu spät sei. Ich gucke auf die Uhr es ist 21:50. Ich gebe an, dass ich nur schnell durch will und die Öffnungszeit bis 22 Uhr geht. Er meckert irgend etwas in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Ich schalte auf sturr und gehe weiter.
Es ist 21:52 ... ich stehe an der Kasse. Das Essen was ich holen wollte war nicht da, die Getränke die ich holen wollte sind nicht da gewesen. Es ist nur etwas Schokolade geworden, die ich für meine Nerven brauche. An der Kasse ist eine kleine Chance. Sofort wird mein OCD getriggert, weil ich dort Dinge sehe, die einfach nur schwer zu ertragen sind.
Wer 3 (!) Tüten Toilettenpapier kauft, sollte diese getrost einmal übereinander legen und nicht hintereinander. Mal abgesehen davon, dass sie nichtmal im Angebot waren und ich nicht weiß, was man mit soviel Klopapier will. Ich denke kurz daran, dass die Person vielleicht den großen Crash bereits prognostiziert und zur lokalen Prepper-Szene gehören würde. Dies würde auch erklären, wieso seine Bohnendosen feinsäuberlich nacheinander aufgestellt sind, damit möglichst viel Fläche genutzt wird. Ich bete dafür, dass dieser Mensch nicht in einem Lager arbeitet.
Mein Vordermann starrt auf das Handy, anstatt ein wenig aufzurücken. Denn Stopper hat er natürlich auch nicht gelegt. Es wäre ja auch gelacht, wenn man so kurz vor Schließung noch irgendwie ein wenig versuchen würde das ganze zu Beschleunigen! Ich spreche ich ihn kurz an, entschuldige mich und will nach einem Stopper greifen. Ein „Alter was willst Du von mir!“ kommt zurück. Er mustert mich einmal und scheint sich irgendwo im grimmigen schweigenden Gesicht zu verfangen. Er entschließt, dass dies kein Kampf ist den er heute noch aufnehmen sollte...
Endlich komme ich an der Kasse an und werde kassiert. Heureka! Ich befinde mich seit 35 Minuten in dem Laden. Ich bekomme Wechselgeld zurück 1,61 ... die Kassiererin guckt mich traurig an. Sie hat leider kein Wechselgeld mehr. Ich leider auch nicht, da ich gerade erst an einer automatisierten Kasse all mein Wechselgeld verloren habe und nur mit größeren Scheinen unterwegs bin.
Ich versuche eine Lösung zu finden und greife zur Quengelware... irgend etwas, hauptsache mehr als 1,61 €. Danach zücke ich meine EC-Karte und will diese drüber ziehen. Wieder guckt die Kassiererin mich traurig an. Die Verbindung sei nicht da. Von hinten gröllt jemand: „Wird es heute noch was!“ zu mir. Der Sicherheitsmann kommt an und quatscht mich von der Seite an: „Suchst Probleme was?“.
Ich entschließe mich dazu nun einen zwei Frontkrieg anzufangen in dem es keine Gewinner mehr gibt. Der Nörgler hinter mir, wird nun eine ganze Weile warten müssen. Ich lächel kurz innerlich ... und verlange den Manager zu sprechen.
5 Minuten später bin ich raus. Ich habe meine 1,61€ bekommen. Ich setze ihn allerdings noch darüber in Kenntnis, dass ich einen Sicherheitsverstoß habe versucht zu melden und der Sicherheitsmann darauf nicht reagierte. Der Türcode ist „1115“, des weiteren wurde ich am Eintreten erverhindert und fühle mich durch ihn bedroht. Mir sind diese Leute sowieso sehr suspekt, die für das Rumstehen bezahlt werden und eine Sicherheit suggerieren, dass jemand wie ich ihn mit einem Schlag zu boden kriegen würde.
Absolute ABM, die man getrost ein wenig in eine weitere Servicekraft investieren kann. Die man dann nich nur für die Automaten, sondern auch dem Beschaffen von Wechselgeld einsetzen kann und wenn sie sich langweilt... immer noch gelangweilt am Eingang stehen kann und weggucken, wenn jemand etwas sagt.
Fakt ist ... kauft nicht bei deutschen Automatenhersteller ein. Tomra habe ich in der Praxis bereits für gut befunden. Auch wenn es schwer ist ... sollte Euch jemals jemand ein Investment in deutsche Supermärkten anbieten, lehnt sofort ab. Der Service ist lausig, die Technik ist fehlerhaft, die Sicherheit stümperhaft und man ist als Kunde nicht willkommen. Das Personal ist völlig falsch allokiert, sowohl Fachpersonal als auch Manager sind hilflos. Um sich hier glücklich zu fühlen, muss man entweder Klopapier essen oder auf Droge sein.
Während ich allerdings mit dem Manager lese, sehe ich hinter mir einen Flüchtling, der sich ruhig verhalten hatte. Er kaufte ein Axe, ein wenig Kümmel und Kichererbsen. Er bezahlte das Geld stumm passend. Scheinbar hat er sich bereits schneller mit den Macken in diesem Land abgefunden als ich. Ich freue mich wenigstens, dass ich über einer seiner Produkte etwas dazu verdient habe.
Der Supermarkt wird mich übrigens nicht mehr so schnell wiedersehen. Weiß ich heute hier erlebt habe, passte auf keine Kuhhaut. Die Opportunitätskosten sind desolat und man konnte leider mal wieder sehen, warum dieses Land wirklich vor die Hunde geht. Es sind nicht die Ausländer. Es sind nicht die Steuern. Es sind auch nicht die Renter oder die Friday For Futures. Es ist die Art und Weise, wie man mit Probleme umgeht und wie lösungsorientiert eine Gesellschaft ist.
Hier geht es aber schon lange nicht mehr darum etwas zu betreiben, dass zufriedene Kunden generiert oder einfach nur funktioniert. Hier geht es nur noch darum gezielt Arbeit zu vermeiden und jeder blickt weg, sobald er einem Mangel sieht. Von Kunden über Unternehmer. Ich werde verstärkt wohl in andere Länder investieren müssen, wenn es bereits von der Basis her schimmelt...
Nein, ich bin eigentlich ein sehr friedfertiger Mensch und blicke über einige Dinge hinweg. Es ist selten, dass ich auf mein Recht poche. Die Geschichten hier sind verkürzt und auf die Highlights beschränkt. Ich garantiere also, dass keine qualifizierten Arbeitskräfte heute hier in irgend einer Weise zu schaden gekommen sind...