Einer meiner Kernthesen ist ja, dass die meisten Menschen nicht zu wenig Einkommen haben, sondern schlichtweg ihre Finanzen gehen lassen. Fest daran glaube ich, weil ich schon Leute mit 800€ im Monat gesehen habe, die über Hunger jammerten, genauso wie welche die 2500€ bekommen. Blickt man dann ein wenig genauer hin, findet man doch recht oft erstaunliche Ausgaben und mit ein wenig Disziplie kann man eigentlich immer etwas rausholen.
In der Vergangenheit habe ich ja bereits ein wenig darüber geschrieben wie man mit einem Haushaltsbuch und Budgets seine Ausgabe wesentlich besser in den Griff bekommt und sich mit Hilfe eines Kredites an sich sich selbst dazu erzieht einen genutzten Notgroschen auch wieder an sich zurückzuzahlen.
Der erste Schritt sollte es immer sein das gute alte Haushaltsbuch der schwäbischen Hausfrau zu immitieren in der alle Ausgaben und Einnahmen erfasst werden. Haushaltsbuch klingt dabei immer extrem staubig und das darf eben heutzutage auch gerne ein Excelsheet oder eine andere Anwendung sein.
Worauf es ankommt ist, dass man beginnt über seine Ausgaben einen Überblick zu kriegen. Einige Ausgaben lassen sich sehr leicht erfassen, da es Fixkosten sind wie z.B. Mieten, Versicherungen und „Abos“. Alles halt was immer wieder kommt und in der Höhe gleich bleibt. Dies ist das absolute Minimum, was jeder tun sollte.
Doch es gibt eben auch viele variable Kosten wie z.B. Essen und Treibstoff, die sich nicht ganz so leicht erfassen lassen. Ich empfehle hier immer einfach stumpf zu protokollieren und dann durch die Anzahl der Monate zu teilen, um einen Mittelwert zu erhalten. Dieses fließt dann als Budget in der Ausgabenplanung mit ein. Handelt es sich nicht um regelmäßige Ausgaben, die irgend einem Zyklus folgen, hilft es nur ein Budget aufzustellen und die Ausgaben auf das Jahr zu schätzen.
Wer dies macht bekommt ist bereits wesentlich weiter als die meisten Leute und in der Lage recht gute Auskunft über seine Finanzen zu geben. So brauche ich ca. 90 € pro Monat für Treibstoff und zusammen mit Versicherungen kostet mein Auto mir im Jahr 1344 €. Ich wette, dass nur sehr wenige Menschen eine solch genaue Zahl innerhalb kurzer Zeit liefern können. Um dazu in der Lage zu sein, braucht man eben ein Haushaltsbuch. Ansonsten hat man immer nur eine grobe Schätzung im Kopf, die teilweise doch erheblich von der Realität abweichen kann. Der Zeitaufwand beschränkt sich dabei einmal im Monat mal alle Ausgaben vom Konto oder Quittungen durch zu gehen.
Mein Motivationstipp: Alle Ausgaben von Supermärkte als „Lebensmittel“ zusammen zu fassen, unabhängig davon, ob ihr diese nun esst oder damit wascht. Einige Leute drösseln dies bis in die Unendlichkeit auf und verlieren dann leicht frustriert die Motivation. Ich will wissen wieviel ich als Betriebsmittel zum Leben brauche und nicht wieviel ich gegessen habe (da gibt es bessere Wege) ;)
Wer so unterwegs ist, hat bereits sehr gute Arbeit und einen Überblick über seine Finanzen bekommen und vermutlich dadurch alleine seine Ausgaben bereits wesentlich besser in den Griff bekommen. Doch man kann das Spiel auch noch eine Ebene weiter treiben und ich habe bisher erst einen Menschen kennengelernt, der dies auch wirklich getan hat.
Immer wieder hört man, dass Leute an ihren Notgroschen mussten, weil plötzlich die Waschmaschine und der Backofen parallel kaputt gegangen sind. Dies sind dann natürlich mal eben recht hohe unerwartete Ausgaben, die ein schmales Budget leicht sprengen können. Gerade dann, wenn man nicht in Geld schwimmt, sollte man daher auch die unerwarteten Ausgaben mit erfassen. Das ist dann üblicherweise wieder der Moment in dem ich einen fragenden Blick zugeworfen bekomme ;)
Wir bedienen uns einfach einem Instrument, dass man aus der Betriebswirtschaft kennt und im Steuerrecht Anwendung findet. Wir schreiben unsere Sachanlagen ab und führen eine virtuelle AfA. Die Idee ist dabei recht einfach! Wenn wir eine größere neuere Anschaffung bekommen, setzen wir uns kurz an unser Buch und tragen diese dort als Sachanlage ein.
So habe ich mir im letzten Jahr nach vielen Jahren endlich einen großen LED Bildschirm für das Schlafzimmer gegönnt. Der alte CRT (!)-Bildschirm am Media-PC wurde einfach von der Bildqualität langsam untragbar und da ich Abends doch immer ein wenig Zeit dort verbringe, entschied ich mich dazu ihn zu kaufen. (Ja, man darf auch mal konsumieren...)
Gekostet hat er mich 600€ und ich erwarte von ihm mindestens eine Lebenszeit von 5 Jahren. Effektiv schreibe ich also jeden Monat 10€ an Wert von diesem Gerät ab und da ich ein solches Gerät im Falle eines Ausfalles ersetzen würde, lege ich auch jeden Monat 10€ dafür zur Seite. Dies kann man entweder virtuell machen oder eben (besser) auf einem separaten Konto. Je weiter weg es aus dem direkten Zugriff ist, umso weniger sind wir geneigt uns doch daran zu vergreifen.
Natürlich kann man nun darüber sinnieren, ob der Wertverlust wirklich real ist. Direkt nach Kauf hat das Gerät immerhin bereits rund 20-30% an Wert verloren und nach 2 Jahren ist es vielleicht technisch soweit veraltet, dass es keinen Restwert mehr hat. Doch diese Herangehensweise soll nicht dienen unser Vermögen zu erfassen, sondern uns beim Sparen zu helfen. Natürlich wird es in 5 Jahren ein besseres Gerät am Markt geben, allerdings hole ich mir nicht deswegen gleich ein neues.
Stattdessen wird das Gerät dann mit einem Wert 0€ bei mir in den Büchern stehen und ist aus meiner Sicht dann abgewirtschaftet. Ich brauche keine weiteren Rücklagen mehr dafür zu bilden, da ich eben nicht bis in die Unendlichkeit sparen will, sondern nur gegen unerwartete Ausfälle gewappnet sein will .Erreicht ein Gut sein Lebensende, schreibe ich es ab und stelle die Führung in den Büchern ein. Es ist aus meiner Sicht behandelt und läuft trotzdem noch. Ist es dann abgängig, habe ich genügend Geld auf dem Konto um mir sofort einen Ersatz davon zu holen.
Gleiches gilt auch für z.B. meinen Bürostuhl, dem Media-Rechner, das Handy, das Notebook, Waschmaschine, Ofen usw. Vorwiegend also elektronische Geräte mit etwas Wert, die ich nach einem Verlust neu anschaffen würde. Um die Lebenszeit zu bestimmen, wühle ich nicht in AfA-Tabellen, sondern setze die erwartete Lebenszeit dafür an. Daraus errechne ich mir den monatlichen Betrag, den ich abschreiben würde und lege diesen zurück. Das ganze passiert zum Monatsende als Dauerauftrag an ein separates Konto.
Der Clou an der Sache ist, dass wir nun jeden Monat einen kleineren Betrag „sparen“ und zur Seite legen können, anstatt darauf, dass irgendwann einmal eine Ausgabe anstehen könnte. Üblicherweise fällt dies wesentlich einfacher als eine anonyme großen Sparbetrag zur Seite zu legen. Zudem erfasse ich so zusätzliche Ausgaben auf Sachanlagen in meiner Lebensplanung, die sonst außen vor stehen würden. Denn wer denkt schon nach einigen Jahren daran, dass er im Oktober einen neuen Bildschirm brauchen könnte?
Einige mögen nun große Augen kriegen und denken, dass dies ja viel zu viel Aufwand ist. Denen würde ich dann tief zurück in die Augen blicken und sagen, dass sie dann vermutlich viel zu viele Dinge jeden Monat einkaufen. Denn üblicherweise halten sich solche Käufe in Grenzen und jedes dieser Geräte ist auf viele Jahre hin ausgelegt. Alle paar Monate einmal einen Dauerauftrag abzuändern ist nun nicht gerade so arbeitsintensiv... auf jeden Fall weniger als plötzlich einen Dispo zu brauchen oder bei Freunden und Familien auf Betteltour zu gehen!
Üblicherweise landet man bei einer Liste von 10-20 Geräten, die man auf diese Weise „abschreibt“. Auch hier tut es eine billige Excel-Tabelle. Doch ab wann lohnt es sich? Schreibe ich einen Router für 30€ wirklich über 5 Jahre ab? Nein, tue ich nicht. Ich habe immer noch eine Position GWG darin, die ich jedes Jahr pauschal abschreibe und einfach die Summe entsprechend erhöhe.
Natürlich ist man auch hier nicht vor unerwarteten Katastrophen gefeilt, da die Gerät eben auch vor ihrer Abschätzung einmal ihren Geist aufgeben können. Betreibt man dies aber eine Weile, wird durch das konsequente Abschreiben eine Summe zusammen kommen aus der man im Schnitt wesentlich besser so etwas abfedern kann, noch bevor man überhaupt an seinen Notgroschen greift.
Insgesamt erhält man mit recht wenig extra Aufwand eine wesentlich solidere Liquidität ohne das man gleichzeitig undefinierte Summen als zusätzlichen Notgroschen bei sich halten muss. So habe ich üblicherweise wesentlich weniger Cash verfügbar als die meisten Bekannten und eine höhere Sparquote, weil ich eben weiß, dass ich für solche Dinge gewappnet bin. Natürlich bekommt man so etwas über eine monatliche konstante Sparquote hin.
Doch die meisten Menschen neigen dann dazu eine zu hohen Sparbetrag anzulegen und damit Rendite zu verschwenden oder eben sich in die eigene Tasche zu lügen und plötzlich ebend doch blank zu ziehen, wenn nun mehrere Geräte gleichzeitig kaputt gehen.
Es mag ein wenig danach klingen als würde ich über riesige Sachanlagen verfügen, wenn ich diese auf diese Weise „abschreibe“. Dem ist aber absolut nicht so. Primär hilft es mir jeden Monat einen zu verschmerzenden Betrag zurück zu legen, anstatt unerwartet plötzlich eine Ausgabe zu tätigen, die mir dann einen Strich bei einem anderen Kauf durch die Rechnung macht. So etwas steigert zumindest bei mir die Lebensqualität enorm. Natürlich ist es am Ende heraus wieder zusätzliches Geld, dass man „spart“ und nicht aktiv nutzen kann, doch diese Ausgaben sind da, ob man sie sieht oder nicht. Sie werden eben nur sichtbar dadurch, dass man sie erfasst.
Ich hoffe, dass ich mit dieser extremen Variante des Haushaltsbuches noch eine zusätzliche Idee liefern konnte, wie man etwas mehr aus seiner Finanzplanung herausholen kann. Dabei geht es nicht darum geizig die Cents zu zählen, aber wer sich regelmäßig seine Ausgaben vor Augen führt, wird wesentlich eher die Löcher in seiner Tasche identifizieren können. Und eben am Ende auch ruhiger schlafen zu können, falls ein Bildschirm mal zu flackern beginnt ;)