Eine Auswirkung der Globalisierung ist, dass Menschen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen immer öfter in Berührung kommen. Mehrsprachigkeit ist nur eine Folge davon. Für Erwachsene ist es eine Herausforderung eine neue Sprache zu erlernen. Sie müssen viel Zeit und oft eine Menge Geld dafür investieren. Kinder, die in einem mehrsprachigen Umfeld aufwachsen, haben es da schon leichter, besonders wenn sie in einer mehrsprachigen Familie groß werden. Selbstverständlich und spielerisch erwerben sie Sprachen.
Hier berichte ich von meinen Beobachtungen in der eigenen Familie.
Wir leben in einer Universitätsstadt mit hohem Ausländeranteil in Großbritannien. Meine Partnerin ist Französin, ich selbst Deutscher und unsere Kinder (5 und 9 Jahre) sind eigentlich Engländer, wenngleich auch ohne britischen Pass. Zu hause sprechen wir Eltern miteinander hauptsächlich Englisch und mit den Kindern jeweils in der Mutter- bzw. Vatersprache. Und das von Anfang an, und ziemlich konsequent. Da steckte keine pädagogische Absicht dahinter, es entwickelte sich irgendwie automatisch. Wir waren aber auch nie besorgt darüber, dass die Kinder vielleicht eines Tages nicht ordentlich englisch sprechen würden und in der Schule möglicherweise Probleme bekämen. Englisch ist ja die lokale Sprache ihrer Generation.
Mit drei Jahren fingen sie an, vormittags einen Kindergarten zu besuchen. Das war natürlich eine Umstellung, aber nicht problematisch. Englisch hörten sie ja schon, außer passiv zu hause, auf dem Spielplatz oder in verschiedenen Spielgruppen in der Stadt. Kommunikation geht ja über das verbale Ausdrücken hinaus. Kinder sind kontaktfreudig, ihr Spielen ist sehr praktisch und ihre Körpersprache ausdrucksstark.
Zunehmend entwickelte sich das Englische zur aktiv genutzten dritten Sprache, wobei keine der drei dominierte. Heute benutzen unsere Kinder vorzugsweise Englisch, wenn sie miteinander reden, spielen und zanken. Aber nicht nur, manchmal ist die Stimmung insgesamt mehr deutsch oder französisch.
An der der Grundschule unserer Kinder ist Zwei- und Dreisprachigkeit nichts Besonderes. Insgesamt bringen die 365 Schüler 23 verschieden Sprachen von zu Hause mit.
Es ist interessant zu sehen, wie andere Familien mit Mehrsprachigkeit umgehen. Es scheint, als ob zweisprachige Kinder nicht so leicht Sprachen erwerben wie dreisprachige. Wenn nämlich eine Sprache die lokale Sprache ist, egal ob Mutter- oder Vatersprache, dann bevorzugen die Kinder in dieser zu antworten, weil sie irgendwie angemessener erscheint. Oft akzeptiert schließlich der Elternteil der nicht lokalen Sprache diese Situation oder gibt das Bestehen auf die eigene Sprache ganz auf. Das führt dann dazu, dass die Kinder die Zweitsprache nicht korrekt und mit Akzent sprechen, oder eben gar nicht mehr.
Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass Mehrsprachigkeit nicht zu Verzögerung des allgemeinen Spracherwerbs führt oder zu mentalen Verwirrung im frühen Kindesalter. Im Gegenteil, Studien bestätigen eine bessere Auffassungsgabe und dazu die Fähigkeit später unproblematisch weitere Sprachen zu erlernen. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass beim Spracherwerb in der Kindheit nur eine Region im Gehirn aktiviert wird, wogegen im fortgeschrittenen Alter dafür neue Bereiche in Anspruch genommen werden müssen.
Zurück zu meinen eigenen Kindern. Mit zunehmendem Gebrauch des Englischen und der ständigen Zunahme von komplexeren Denkprozessen besonders in der Schule, gewinnt die lokale Sprache Vorteil gegenüber den anderen beiden. Werden sie die Elternsprachen vernachlässigen? Es hängt davon ab, inwieweit unsere Kinder Gelegenheit haben auch diese zu nutzen und nicht nur im Urlaub. Eine solide Grundlage jedenfalls ist gelegt.
Vielen Dank fürs Lesen. Ich freue mich über jede Unterstützung, Kommentar über eigene Erfahrungen... Schönen Tag noch !