Ich war ganz unten... doch ich konnte mich befreien!
Ab einem Wert von 60 € spende ich 100 % der SBD an meine alte Klinik. Falls dieser Wert nicht erreicht werden sollte, suche ich mir einen anderen Spendenempfänger.
Du denkst bestimmt, dass ich in der Überschrift maßlos übertrieben habe. Aber leider stimmt das nicht. Aber am besten fange ich an von vorne zu erzählen.
Alles, was jetzt folgt, ist die Geschichte, die mein Leben (bis jetzt) geschrieben hat. Ich verzichte in diesem Post auf unnötige Bilder zwischen den Zeilen. Es geht einfach nur darum, euch meine Geschichte zu erzählen. Lest fleißig und vielleicht könnt ihr etwas mit nehmen.
Lasst uns Anfangen!
Grundschule
Die ersten Jahre lief alles ganz gut. Aber ab in der 3. Klasse bin ich ein "Mobbingopfer" geworden. Den Grund dafür kenne ich bis heut nicht. Vielleicht aus Neid, aber vielleicht auch einfach nur, weil es den "Mobbern" Spaß gemacht hat. Das ging mir damals sehr an die Substanz. Ich hatte jeden morgen Angst in die Schule zu gehen. Und die Situation verbesserte sich nicht wirklich, als ich in die 4. Klasse gekommen war.
Es ging im Grunde alles von einer Person aus. In einer solchen Situation fragt man sich oft, "Warum ich?", "Was habe ich falsch gemacht?" und "Warum hilft mir denn niemand?". Wenn ich sage, dass mir niemand geholfen hat, dann ist das nicht völlig korrekt, meine Eltern standen mir in meinem ganzen Leben zur Seite, auch dann, wenn es nicht so einfach war. Und auch meine Klassenlehrerin war bemüht. Es hat jedoch nicht ein Mitschüler versucht zu helfen. Vielleicht hatten diese Angst, selbst in die Schussbahn zu stolpern. Aber das hat mir auch nicht geholfen...
Gesamtschule
Nach der 4. Klasse besuchte ich den Gymnasialzweig einer Gesamtschule. Ich hatte den Wunsch mit niemandem aus meiner Klasse in die neue Schule zu starten. Das war jedoch nicht möglich. Eine Person aus meiner alten Klasse war auch in der 5. Klasse nicht von meiner Seite gewichen. Die Person, mit der alle anderen "mitgelaufen" sind.
Daher war auch der Start in der neuen Schule nicht ideal. Aber ich muss sagen, dass es sich mit den Jahren deutlich verbessert hat. Doch in der 7. Klasse stellte ich fest, dass es mir in der Schule gar nicht wirklich gefällt. Es war viel schöner den ganzen Tag zu Hause am Computer zu sitzen. Das ganze hat nach den Herbstferien der 7. Klasse angefangen. Meinen Eltern war es nicht möglich etwas daran zu ändern. Das ist jedoch kein Vorwurf. Sie konnten alleine nichts machen. Ich bin, sobald mir etwas nicht gepasst hat, ausgerastet. Habe meine Eltern zum Teil auch geschlagen und Gegenstände in der Wohnung demoliert.
Dass es so nicht weiter gehen konnte, war ja klar. Wir besuchten eine Ambulanz einer Kinder- und Jugendpsychiatrie. So habe ich es geschafft, das zweite Halbjahr der 7. Klasse wieder die Schule zu besuchen. Ich habe Glück, dass ich ein relativ Inteligenter Mensch bin, auch wenn ich in dieser ganzen Zeit fast gar nicht intellient gehandelt habe. Aber das hat mir ermöglicht alle verpassten Arbeiten nachzuschreiben und so meine Versetzung zu sichern.
In den Sommerferien kam dann das, mit dem ich nicht gerechnet hatte...
Kinder- und Jugendpsychiatrie
Mir war bewusst, das ich auf der Warteliste für die stationäre Aufnahme in der Kinder- und Jugendpsychiatrie stand. Meine Eltern hatten mir immer gesagt, dass das nur ist für den Fall, das es nicht anders geht.
Mir wollte in dieser Zeit nicht auffallen, dass es nicht anders ging...
Ich hatte also noch eine Woche, bis ich von zu Hause in eine Psychiatrie ziehe. Was einem da alles durch den Kopf geht, kann man sich nicht vorstellen. Ich nutzte die Zeit (in meinen damaligen Augen) sinnvoll und Spielte von Morgens bis Abends. Ich hatte keinen Hunger, keinen Durst und musste auch nicht auf Toilette.... im Nachhinein betrachtet einfach nur krank!
Dann kam der Tag des Umzuges. Dieser verlief aber eigentlich sehr friedlich. Ich konnte einfach gar nicht alles Realisieren. Es ging mir viel zu schnell. Und dann nach dem Aufnahmegespräch waren meine Eltern weg. Was die ganze Sache für mich noch viel schwieriger gemacht hat war, dass ich ein Kind war, welches extremes Heimweh hatte. Das war also eine wirkliche Herausforderung.
Die Zeit in der Klinik verlief durchaus positiv. Ich war natürlich in dieser Zeit nicht gerne da. Aber ich muss jetzt sagen das, dass das Beste war, was meine Eltern gemacht haben. Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mich dort hingeschickt haben.
Alltag in der Klinik
Jeder Tag in unter der Woche war morgens Schule. Diese war jedoch deutlich "reduziert". Der Hauptfokus lag nun einmal auf der Therapie und nicht auf der Schule. Nach der Schule gab es Mittag essen. Der Nachmittag war Zeit für Therapien, also bei mir Laufgruppe, Medientherapie und einmal in der Woche ein Gespräch mit meiner Psychologin. Man hat auch über die Zeit in der Klinik immer mehr "Ausgang" bekommen. Das war die Zeit, in der man das Klinikgelände verlassen durfte, um sich in der Stadt frei bewegen zu können. Wenn man nicht im "Ausgang" war und auch keine Therapie hatte, dann wurden viele Gesellschaftsspiele gespielt mit den anderen Patienten gespielt.
Wie lange war ich in der Klinik?
Am Anfang wurde mir gesagt, dass man das nicht genau sagen kann, ich könne aber mit ungefähr 6 Wochen rechnen. Wenn man jetzt betrachtet, dass ich 6 Monate dort war, wird noch einmal deutlich, wie schwer meine Probleme waren.
Tagespatient
Gegen Ende meiner Therapie war es mir erlaubt zu Hause zu schlafen und sogar wieder meine eigene Schule besuchen. Nach der Schule bin ich dann jedoch mit dem Taxi in die Klinik gefahren worden. Das war ungefähr 1 Monat der 6.
Wieder in meiner Schule
Ich war also wieder komplett zu Hause im Februar der 8. Klasse. Durch die Klinik hatte ich ein komplettes Halbjahr "verpasst". Ich habe trotzdem die Arbeiten ab dann mitgeschrieben. Meine Noten waren natürlich Anfangs deutlich schlechter, stiegen jedoch dann wieder an.
Ich wurde in die 9. Klasse versetzt. Meine Zeiten für den Computer war stark begrenzt. Ich habe jedoch trotzdem weitere Gespräche mit meiner Psychologin geführt.
Mein "Bewährungshelfer"
So habe ich meinen Sozialarbeiter genannt. Mit diesem hatte ich einmal in der Woche einen Termin. Wir haben gekocht, Geocaching betrieben und einfach nur Spaß gehabt. Ich habe mich mit diesem sehr gut verstanden. Nach einer Zeit ist dieser jedoch aufgrund eines anderen Berufes umgezogen. Daher hatte ich einen wechsel. Ich kam auch mit meinem zweiten Bewährungshelfer gut zurecht. Aber das gleiche wie mit dem ersten war es nicht mehr.
9. - 10. Klasse
In der 9. Klasse wurden unsere Klassen gemischt. Mir war es aber trotzdem vergönnt mit meinem früheren "Mobber" in die gleiche Klasse zu kommen. Aber ich kam inzwischen mit dieser Person meist ganz gut aus. Wir konnten uns aus dem Weg gehen und das war mir genug.
Das Wichtigste in der 9. und 10. Klasse war, dass ich neue Freunde gefunden hatte. Das war fast das erste Mal, wo ich mich wirklich wohlgefühlt habe. Wir haben auch nach der Schule etwas unternommen. Das kannte ich vorher fast nicht.
JETZT
Auch in dem letzten halben Jahr ist viel passiert. Ich besuche nun ein Gymnasium und strebe das Abitur an. Wie ich im gestrigen Post geschrieben habe, bin ich auch seit den Sommerferien zwischen der 10. und 11. Klasse selbstständig gemacht. Computerspiele habe ich seit der 11. Klasse nicht mehr gespielt...
Es geht Bergauf!
Fazit
Ich bereue alles, was ich vor der Klinik gemacht habe. Diese Zeit war vor allem für meine Eltern sehr anstrengend. Aber sie haben mich nicht aufgegeben und haben es so geschafft mich zu retten! Ohne meine Eltern wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Und ich bin dafür einfach nur unglaublich dankbar!
Das war ein tiefer Einblick in mein Privatleben. Du fragst dich, warum ich dir das erzählt habe? Ich denke, dass ich nicht der einzige bin. Und wenn du dich oder einen Freund in meiner Geschichte findest, dann hilf ihm.
Und das wichtigste: Sei kein Mobber! Du kannst dir gar nicht vorstellen, was du anderen Menschen damit antust. Und auch wenn du siehst, wie andere gemobbt werden. Sei kein Mitläufer! Dann bist du auch nicht besser als der Mobber selbst. Wenn du dir einredest, dass du nicht helfen kannst, dann redest du dir die ganze Sache selbst schön.
Ab einem Wert von 60 € spende ich 100 % der SBD an meine alte Klinik. Falls dieser Wert nicht erreicht werden sollte, suche ich mir einen anderen Spendenempfänger.
Ich hoffe, dass euch dieser Beitrag geholfen hat. Ich würde mich freuen, wenn wir einen großen Spendenbetrag zusammen sammeln können!
Beste Grüße,
MarcT