Während die meisten Leute immer noch darüber diskutieren, ob Bitcoin nun die Zukunft oder nicht ist, entwickelt man innerhalb der Cryptoshphere bereits neue Lösungen. Das Cryptos inzwischen weit mehr sind als nur eine Währung und in immer mehr Nischen eindringen, wo bisher zentrale Strukturen waren, fällt diesen Leuten nicht auf.
Heute möchte ich Euch einmal "Storj" vorstellen, dass einen Ansatz für eine dezentrale Cloud darstellt. Hier könnt ihr für recht günstige 1,5¢ pro GB pro Monat Speicherkapazität im Netz buchen. Dazu kommen noch einmal 5¢ pro GB Traffic dazu, den ihr erzeugt. D.h. für ca. 2¢ könnt ihr einen Gigabyte an Daten im Netz hochladen und so speichern. Anwendungsmöglichkeiten gibt es dafür viele. Die wahrscheinlichste ist allerdings wohl ein zusätzliches Backup im Netz.
Bestehende Lösungen z.B. von Amazon sind beim Preis teilweise wesentlich über diesen und die Neuanschaffung einer Platte lohnt sich eben nur bei einer dauerhaften Installation. Wer z.B. in den Urlaub fährt und dort viele Fotos macht und diese irgendwo zwischenspeichern will, damit er sie von zu Hause wieder abholen will, ist mit einer cloudbasierten Lösungen vermutlich günstiger unterwegs.
Während erstaunlich viele Menschen beim Thema Cloud ihren Verstand völlig abschalten und selbst sensible Daten hochladen, kommt hier eine Absicherung gleich mit dabei. Die Daten sind nämlich nicht klar ersichtlich, sondern werden in Shards verschlüsselt in die Cloud geladen. D.h. bei einer großen Datei liegen die Daten über mehrere Rechner verteilt in einer Form, dass man sie nicht mehr entschlüsseln kann. Nur man selbst kommt über den privaten Key dann wieder an die Daten und kann diese anfordern.
Gehört ihr hingegen zu den Leuten, die zuviel Platz bei sich auf dem System haben, können sie diese mit Storj an das Netz vermieten und erhalten dann die oben genannten Preise. Die Installation ist grundsätzlich recht einfach. Die StorjShare Daemon oder GUI wird runtergeladen und auf dem Rechner installiert. Ein Guide führt einen durch die erste Einrichtung. Hier wird z.B. die Ethereum Wallet angegeben an die Gewinne ausgeschüttet werden sollen. Es wird dann ein Ordner auf der Festplatte ausgewählt in denen die Daten geschrieben werden, sowie die Größe festgelegt, die freigegeben werden soll.
Dazu richtet man einen DynDNS-Dienst ein, damit man auch immer unter dem gleichen Hostnamen verfügbar ist und leitet mittels Portforwarding einen Port auf den eigenen Rechner um. Wer versteht, was das bedeutet, wird sehr zügig mit der Installation durch sein und überrascht sein wie fix es geht. Ansonsten kann es für einen nicht technischversierten Anwender vielleicht ein wenig Tricky werden. Hat man dieses Setup abgeschlossen, ist man bereits fertig und muss die Anwendung nur im Hintergrund laufen lassen. Ein wenig Geduld muss man allerdings mitbringen, bevor es auch wirklich die ersten Daten gibt.
Nach einem Monat gibt es dann die entsprechende Einnahmen an die Ethereum-Wallet als ERC20-Token überwiesen. Doch lohnt es sich? Rein rechnerisch gibt es 15$ pro TB. Eine gute 4 TB-Festplatte gibt es für 100 USD, so dass sich diese nach 2 Monaten ammortisiert hätte. Das wäre eine grandiose Leistung, zumal eben auch noch der Traffic on top kommt, der den eigentlich Gewinn nochmal erheblich steigert.
Doch sollte man nun ein Rechenzentrum daheim planen? Vermutlich eher nicht. Den zum einen ist das oben eine Milchmädchenrechnung. Den es wird nicht der zur Verfügung gestellte Platz bezahlt, sondern der genutzte. Gibt es keine Daten die gespeichert werden, gibt es auch kein Geld. In 10 Stunden gab es hier 865MB auf den Knoten geschoben. Bis da die 4 TB voll sind, würde eine ganze Weile vergehen. Zudem muss man eben auch eine Verfügbarkeit gewährleisten. Ist diese nicht da, gilt der Vertrag als gebrochen und es gibt auch kein Geld.
Und dann opfert man noch ein wenig Arbeitsspeicher und CPU pro Knoten! Mal abgesehen davon, dass diese ja auch irgendwie durch Energie angefeuert werden müssen. Der Betrieb einer solchen Anlage ist nach meiner Einschätzung zudem eine gewerbliche Nutzung und muss entsprechend behandelt werden. Vermutlich also eher uninteressant für Oma Erna, die mal eben 500 GB ihrer Festplatte zur Verfügung stellen will.
Interessant kann es sein für jene unter uns die bereits eine Mining Rig laufen haben. Der Kasten ist sowieso 24/7 am Laufen und frisst seinen Strom. Die CPU langweilt sich. Ist dann noch ein wenig RAM übrig, kann man Teile der Platte freigeben oder eben einfach eine weitere an den SATA hängen. In einem solchen Fall kann man vielleicht ein kleines Extra erwirtschaften und somit die hier üblichen hohen Energiekosten ein wenig wirtschaftlicher nutzen. Dies ist insbesondere der Fall wenn man zu den glücklichen gehört, die Glasfaser daheim haben. Den dann spielt der zusätzliche Traffic kaum noch ins Gewicht.
Ein Konkurrent zu Storj ist SIA Coin, die einen ähnlichen Ansatz fahren, allerdings technologisch anders. Dort wird vor allem auch mit Collaterals gearbeitet, so dass bei einer Nicht-Erfüllung man auch wieder Coins verliert. Von daher ist Storj gerade für Einsteiger leichter und verzeiht auch kürzer Downtimes eher.
Eine Langzeiterfahrung kann ich bisher nicht bieten. Ich werde es mal probeweise eine Weile hier betreiben und dann von den Ergebnissen berichten.