Ihr Lieben,
Seit gestern sind wir wieder aus dem Urlaub zu Hause. Noch sind wir etwas zerknirscht von der langen Fahrt, aber ich möchte euch an unseren Erlebnissen teilhaben.
Wir wollten relativ spontan ein paar Tage nach Polen fahren, genauer gesagt nach Zakopane. Dieser Ort befindet sich im Süden Polens. Philiph hat dorthin eine besondere Verbindung. Sein Vater ist früher mit ihm und seinem Bruder oft stundenlang durch die Wälder gewandert und hat Pilze gesammelt.
Philiph schwärmte mir häufiger von diesem Ort vor, also beschlossen wir dorthin zu fahren. Mir war nach den letzten Wochen einfach nach Ruhe und Natur soweit das Auge reicht.
Nachdem wir 10 Stunden gefahren sind, erreichten wir endlich das Ziel. Schon vom Weiten konnte ich die ersten Berge erahnen.
Am nächsten Tag machten wir uns dann auf den Weg zum ,,Meeresauge". Auf polnisch heißt es Morskie Oko. Das Meeresauge befindet sich in der hohen Tatra, ein Gebirge, dass Polen von Slowenien trennt.
Wir betraten den Naturpark und sahen schon die erste Pferdekutsche, die die Touristen auf den Berg bringt. Philiph sagte:
,,Schatz wir laufen. Das sind nur 9km."
Das führte zu einem kleinen Zwergenaufstand meinerseits. Ich war echt genervt und hatte absolut keine Lust bei der Wärme 9km den Berg hochzustapfen. Aber all mein Lamentieren brachte mich nicht weiter. Philiph erinnerte mich vorsichtig daran, dass ich ihm versprochen hatte, mit ihm zu wandern. Zugegeben habe ich das immer nur gesagt, weil ich niemals gedacht hätte, dass wir tatsächlich einmal dort Urlaub machen.
Wir begannen also unseren Marsch. Zu Beginn fiel es mir noch leicht, doch je mehr Steigung dazu kam, umso beschwerlicher wurde der Weg.
Doch schaut euch diese Aussicht an. Das machte den Weg erträglicher. Die Farben des Waldes, die Ruhe, die Luft und die Sonne, die uns den Weg erleichterte, waren unglaublich schön.
Nach etwa 3km von 9km war mein Ehrgeiz langsam geweckt. Ich wollte da oben hoch und das mit meinen eigenen Füßen, nicht auf einer Pferdekutsche.
Und wir kamen immer höher. Die Zeit verging auf einmal wie im Fluge.
Wir schwitzen, keuchten und hatten schmerzende Füße.
,,Wollen wir die Pferdekutsche nehmen? Guck mal hier steht ein Schild, dass sie dich einsammeln, wenn du nicht mehr kannst."
Nein! Das ziehen wir jetzt durch. Ich pushte Philiph bis wir endlich am Ziel waren. 9km Marsch lagen nun hinter uns. Wir waren unglaublich schnell dort, obwohl wir keine geübten Wanderer sind.
Und nun waren wir da. Standen vor einem riesigen Berg und dem Wasser, in dem sich alles spiegelte. Wir hätten uns prima entspannen können. Wir wollten einfach nur die Ruhe dort oben genießen. Doch leider war da nichts von Ruhe. Eben ein Touristenmagnet.
Unzählige Frauen räkelten sich in knappen Outfits vor dem Berg, ohne sich auch nur für die Natur zu interessieren.
Wir beschlossen um den Bergsee herum zu marschieren, in der Hoffnung auf ein bisschen mehr Ruhe. Und siehe da, die sollten wir bekommen.
Genau in diesem Moment fiel mein Blick auf den Berg mir gegenüber. Wir sahen, dass dort einige Wanderer hoch stiegen und uns interessierte, was es da oben zu sehen gab. Also marschierten wir weiter.
Doch was mich auf diesem Weg erwartete, erahnte ich nicht. Über Stock und Stein, steil bergauf. Die ersten Meter war ich mir sicher, dass ich den Weg mit links schaffen würde. Doch kurze Zeit später, fiel es mir schwerer zu atmen. Wir machten gefühlt alle 10 Schritte Pause damit wir atmen konnten.
Wir sind einfach sehr untrainiert, für diesen steilen Aufstieg. Philiph pushte nun mich immer weiter den Berg rauf. Doch als er merkte, dass mir die Luft ausging, schlug er vor umzudrehen.
,,Bist du verrückt? Umdrehen gibt es hier nicht. Das ziehen wir jetzt durch."
Oben angekommen pfiffen wir Beide aus dem letzten Loch.
Doch als ich das sah, war all der Schmerz vergessen. Genau dafür hatte sich der Aufstieg geloht. Nun genossen wir erst einmal die Natur um uns herum und die unglaubliche Ruhe. Denn hierher verirrten sich nur wenige Touristen.
Und wir erblickten einen zweiten Bergsee. Hier machten wir eine kurze Rast.
Kurz überlegten wir ob wir den Berg noch weiter erklimmen sollten, doch leider war die Zeit gegen uns. Auf dem Rückweg zum Auto (hinter uns lagen 15km Strecke), konnte ich spüren, dass ich keine Kontrolle mehr über meine Beine hatte. Die Muskeln waren komplett erschöpft und mir fiel es schwer weiter zu laufen.
Als wir dann an der Pferdekutsche ankamen, konnte ich kaum noch laufen und somit war es klar, dass es zumindest mit der Kutsche den Berg herunter geht. Es wurde langsam dunkel und wir hatten keine Taschenlampe dabei. Ich denke das hatten wir uns jetzt verdient.
Ihr könnte euch gar nicht vorstellen, wie kaputt wir abends waren.
Es war eine Erfahrung, die ich niemals mehr missen möchte und ich bin mir sicher, dass wir diesen Ausflug wiederholen werden.
Was wir die folgenden Tage unternommen haben, werde ich euch in den nächsten Tagen berichten.
Ich hoffe euch allen geht es gut! Meine Akkus sind auf jeden Fall wieder aufgeladen :)
Ich drücke euch!