Die Bedürfnisse des Menschen sind unendlich!
Jeder der sich bereits einmal mit der Volkswirtschaft intensiver auseinander gesetzt hat, wird bestimmt den Satz aus dem Titel bereits kennen. Manchmal eben auch in den Variationen „Wünsche“ oder „unbegrenzt“. Im Kern bleibt aber die Aussage weiterhin bestehend ... wir Menschen werden immer wieder neue Wünsche bekommen, wenn wir unsere bisherigen erfüllen.
Das mag so manchem Wachstumsgegner erst einmal wie Häresie erscheinen. Und auch so manch ganz normaler Bürger springt erst einmal einen Meter zurück und wird seine eigene Bescheidenheit hervorheben: Ich brauche ja gar nicht soviel! Ich habe nur wenige Wünsche! So beginnt zu dem Thema meist jede Diskussion und sie münden alle gleich ... mit dem Eingeständnis, dass man eben doch unendlich viele Bedürfnisse hat.
Nur nicht jedes Bedürfnis erscheint einem gleich als solches. Mehr Zeit mit seinen Kindern zu verbringen zu dürfen ist so eines. Auf den ersten Blick wirkt dies erstmal wie ein nicht monetäres Problem. Man hat die Kinder ja vielleicht schon und muss nur mehr Zeit mit ihnen verbringen. Das wird aber eben schwer, wenn man den ganzen Tag auf der Arbeit malocht und dann völlig ausgebrannt nach Hause kommt. Würden wir mehr Geld haben, könnten wir vielleicht weniger Arbeiten und auf diese Weise mehr Zeit haben.
Die Volkswirtschaft wird häufig unter den Wirtschaftern als „linke Lehre“ eingestuft. Das ist natürlich völlig falsch und trotzdem sollte man sich nicht von dem Begriff „Wirtschaft“ blenden lassen. Den es ist eine Lehre, die versucht objektiv an Dinge zu gehen und sie zu erklären. Entsprechend kommt sie oft ohne ein darunterliegendes wirtschaftliches Gefüge aus. Und somit ist die Aussage:
Die Bedürfnisse des Menschen sind unendlich!
eines ihrer Axiome. Den kaum haben wir ein Bedürfnis befriedigt, wird ein neues Gedeihen. Selbst bei sehr sparsamen Menschen. Und nein in den wenigsten Fällen wird dies auch die Luxusyacht sein. Sondern ganz normale Dinge. Aber es werden immer neue dazu kommen. Selbst wenn man im Alter kurz vor dem Tod steht und man eigentlich bereits alles hatte, wird man immer noch Bedürfnisse haben und sei es seine Enkel häufiger zu sehen.
Haben wir erst einmal akzeptiert, dass die Bedürfnisse unendlich sind, stellt sich natürlich die Frage, wie wir diese möglichst gut befriedigen können. Ja, auch darauf hat die VWL eine Antwort parat, die in Form der Gossenschen Gesetze daher kommen. Ein wirklich schreckliche Begriff bei dem ich mich ständig verhaspel und der auch nichts mit Gosse zu tun hat ;)
Die Größe eines und desselben Genusses nimmt, wenn wir mit Bereitung des Genusses ununterbrochen fortfahren, fortwährend ab, bis zuletzt Sättigung eintritt
(Erstes Gosschensche Gesetz)
Das hört sich extrem sperrig an und löst erst einmal Verwunderung aus. Ist aber sehr simple erklärt. Ihr habt den ganzen Tag Euren Garten umgegraben. Die Sonne schien bestialisch und ihr seid so richtig am Ende. Nun kommt der Kumpel mit einem kühlen Pils vorbei. Wie wird Euch dieses wohl schmecken? Sofern ihr nicht gerade zu jenen gehört die Bier nicht lecker finden, wird dies vermutlich ein Hochgenuss für Euch sein.
Nachdem dieses alle ist, holt er noch eines heraus. Das zischt auch noch, ist aber schon nicht mehr so ganz erfrischend wie das erste. Ab dem 7 Bier knickt der Nutzen dann irgendwann ein. Eigentlich schmeckt es gar nicht mehr und man trinkt es nur noch so. Oder war es schon das 8 oder 9? So genau bleibt das schon gar nicht mehr in Erinnerung, so unwichtig wird dies für einen. Spätestens ab dem 12 tritt dann die Sättigung ein und man beginnt dankend abzulehnen... oder spätestens der eigene Körper.
Was sagt das Gesetz also aus? Wenn wir versuchen ein Bedürfnis mit immer wieder dem gleichen Gut zu befriedigen, wird es uns immer weniger befriedigen und zunehmend abstumpfen.
Das zweite Gesetz ist noch etwas sperriger:
Der Mensch, dem die Wahl zwischen mehren Genüssen frei steht, dessen Zeit aber nicht ausreicht, alle vollaus sich zu bereiten, muß, wie verschieden auch die absolute Größe der einzelnen Genüsse sein mag, um die Summe seines Genusses zum Größten zu bringen, bevor er auch nur den größten sich vollaus bereitet, sie alle teilweise bereiten, und zwar in einem solchen Verhältnis, daß die Größe eines jeden Genusses in dem Augenblick, in welchem seine Bereitung abgebrochen wird, bei allen noch die gleiche bleibt.“
Dies ist aber nachdem wir nun schon beim ersten Gesetz ein so anschauliches Beispiel hatten recht leicht erklärt. Anstatt 12 Biere in uns rein zu schütten, ist es taktisch sinnvoller nur 3 Stück zu trinken und statt dessen etwas Grillgut dazu zu holen. Wir substituieren in ein anderen Gut um für uns insgesamt einen größeren Nutzen heraus zu bekommen.
Und es gehört nicht viel Fantasie dazu sich vorzustellen, dass wir uns nach einem gemütlichen Grillabend vermutlich besser fühlen als nach 12 Bier ;)
Wer diese drei Grundsätze der Volkswirtschaft nun schafft in seinem Leben einzubauen und akzeptiert, wird unterm Strich ein zufriedeneres Leben führen, da er es schaffen wird mit dem gleichen Einsatz eine höhere Befriedigung zu erreichen. Soviel also dazu, dass die Volkswirtschaft mit seinem Axiom nach grenzenlosen Wachstum schreit. Das Gegenteil ist der Fall.
Ich persönliche halte es für wichtig sich diesem Mechanismus bewusst zu sein und kann ihn bei einem selbstreflektierten Verhalten bei mir nur bestätigen. Ist man sich diesen bewusst, kann man versuchen seinen Konsum zu optimieren. Und in jedem Fall habt ihr nun beim nächsten Bierabend ein interessantes Thema parat. Ich möchte aber warnen: Die Substitution von Bier auf Wein, Rum und Whisky zusammen mag volkswirtschaftlich Sinn ergeben um einen maximalen Nutzen anzustreben ... es gibt aber biologische und medizinisch Gründe die von Herrn Gossen nicht erfasst wurden ;)
Und so kann uns die VWL dabei helfen einen Grillabend zu optimieren und unterm Strich wesentlich mehr dabei raus zu holen. Und sollte die Gäste am Ende doch mal länger bleiben und nicht mehr nach Hause wollen, dann erklärt ihnen doch auch einfach mal die Gesetze und ich bin mir sicher, dass sie bald das Weite suchen werden ;)