Ein herrlicher Sonntagmorgen auf dem hügligen Land.
Eigentlich beste Voraussetzungen für ein ausgedehntes Frühstück. Danach der Rundgang über das Gelände und dabei dem Gras und den Pflänzchen im Garten beim Wachsen zuzuschauen. Doch nichts von dem kommt im Augenblick in die Tüte, da ich noch immer im Büro sitze und am Wochenrückblick arbeite.
Wie ihr bereits an der Schlagzeile erkennen könnt, landet in dieser Woche eine Sonderausgabe am Kiosk. Der Grund dafür liegt verborgen in einer kleinen, aber heftigen Flaggenparade und dem Weckruf von . Da der ersten spontanen Reaktion dann auch noch ein emotionaler Video-Auftritt folgte, konnte ich dieses Ereignis auf keinen Fall unkommentiert lassen.
Bevor es jedoch ans Eingemachte geht, werfen wir noch einen Blick auf das, was die Ausgabe sonst noch zu bieten hat.
Inhaltsangabe:
- Wie nicht anders zu erwarten, starte ich mit dem Titelthema. Da ich mich bei dem erwähnten Artikel persönlich angesprochen fühlte, fand ich die Form eines offenen Briefes für ein gerechtfertigtes Mittel meine Meinung zu der Angelegenheit kundzutun.
- Der Buchtipp lässt schnell die Vermutung zu, ich hätte mich hier auf dem heimischen Markt umgeschaut und wolle einen Landsmann ins Rampenlicht stellen. Dem ist nicht so. Wichtig ist wie immer einzig und alleine der Inhalt des Buches.
- Musikalisch scheint es anfänglich, als hätte ich den Griff in die alte, verstaubte Kiste gewagt. Zurück zu dem Mann, der Don Mclean in “American Pie” zu der Textzeile inspirierte: The day the music died. Buddy Holly. Doch ist Nick Waterhouse nicht Buddy Holly - aber auch er weiß ihn zu schätzen.
- Mit Juse Ju meldet sich endlich wieder der zurück, von dem ich schon dachte, ihn komplett ans Radio und die Kollegen der schreibenden Presse verloren zu haben. Zum Glück hat er nochmal den Griffel gegen das Mikrofon eingetauscht.
- Die Zugabe zum offenen Brief musste sein, da ich die Urform nicht mehr verändern wollte, weil es meiner Ansicht nach einer Kastration gleichgekommen wäre. Spontane Eingebungen sind nicht zum Verbiegen da.
hatte die Idee - lediglich die Umsetzung macht furchtbare Probleme.
- Das Angebot an älteren Ausgaben des BRenNgLAS wird immer größer. Außerdem liegen noch viele interessante Texte im Archiv. All dies ist zu finden in der Rubrik mit den Hinweisen.
- Der Abschluss bildet wie immer das Impressum.
Viel Vergnügen mit dem Wochenrückblick
Ein offener Brief an
.
Eine äußerst unruhige Nacht und die immer wiederkehrenden Gedanken deuten klar darauf hin, dass ich ein Problem in meinem Kopf lösen muss. Keine Angst, das Problem bist keinesfalls du, sondern vielmehr meine Vermutung, dass hier so einiges gehörig falsch gelaufen ist. Du unterstellst mir, bezüglich des Illu-Artikels Ignoranz und (damit einhergehend) Toleranz der dort verbreiteten News vor. Außerdem vermisst du meine Solidarität.
Dazu möchte ich eine kurze Stellungnahme abgeben, um ein paar Dinge klarzustellen, bevor du deinen Blick von mir gänzlich abwendest.
Mir stille Toleranz in Sachen Rassismus und Gewalt vorzuwerfen, das schmerzt heftigst in meiner Seele. Mein Lebenslauf gleicht dem deinigen nicht unerheblich, dazu führte mich meine Arbeit ständig in Konflikte, die Gewalt in jeder Art nach sich zogen. Ich habe durch mein unablässiges Eintreten gegen Rassismus und Ausgrenzung unter einem zeitweise geltenden Berufsverbot und vielen Anfeindungen gelitten. Nicht nur ich, sondern die Familie.
Ich bin nicht auf Steemit um das Vermehren des Geldes zu praktizieren. Das zeigt ein kurzer Blick in mein Profil wohl deutlich genug. Auch habe ich nicht die Zeit, viele Stunden auf der Plattform zu verbringen. Ich habe frühzeitig das rechtsradikale Potenzial in den Beiträgen bemerkt und angeprangert. Das Resultat: ein paar verbale Schläge unter die Gürtellinie und die konsequente Ignoranz der Obrigkeit (abgesehen von dir).
Dass ich deine Aktivität ins Sachen Christchurch nicht bemerkt habe, hat jedoch nichts mit Ignoranz zu tun, sondern ist der Tatsache geschuldet, noch ein für mich sehr wichtiges Leben neben Steemit zu haben. Außerdem werfe ich in die Steem-Illu keinen Blick mehr, seit dem Moment, als der Chefredakteur ohne Sinn und Verstand Privates aus dem Leben von ausgeplaudert hat und damit sogar noch Beifall einheimste.
So, dies wollte ich dir noch mitgeben auf den Weg, auf den ich noch gerne eine gewisse Zeit mit dir beschritten hätte.
Schade, es sollte wohl nicht sein.
Danke für das gemeinsam Erlebte.
Mach's gut
Wolfram
Der Autor:
Saša Stanišić
Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Sein Debütroman »Wie der Soldat das Grammofon repariert« wurde in 31 Sprachen übersetzt. Mit »Vor dem Fest« gelang Stanišić erneut ein großer Wurf; der Roman war ein SPIEGEL-Bestseller und ist mit dem renommierten Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden. Für den Erzählungsband »Fallensteller« erhielt er den Rheingau Literatur Preis sowie den Schubart-Literaturpreis. Saša Stanišić lebt und arbeitet in Hamburg.
Das Buch:
Herkunft
HERKUNFT ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt.
HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.
HERKUNFT ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. HERKUNFT ist traurig, weil Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist.
In HERKUNFT sprechen die Toten und die Schlangen, und meine Großtante Zagorka macht sich in die Sowjetunion auf, um Kosmonautin zu werden.
Diese sind auch HERKUNFT: ein Flößer, ein Bremser, eine Marxismus-Professorin, die Marx vergessen hat. Ein bosnischer Polizist, der gern bestochen werden möchte. Ein Wehrmachtssoldat, der Milch mag. Eine Grundschule für drei Schüler. Ein Nationalismus. Ein Yugo. Ein Tito. Ein Eichendorff. Ein Saša Stanišić.
(Die Kritik von Denis Scheck)
Nick Waterhouse - Nick Waterhouse
Nick Waterhouse, der R&B-Revivalist aus Kalifornien, kehrt mit seinem dritten Album "Never Twice" zurück. Auf "Never Twice" arbeitete Nick Waterhouse wieder mit seinem alten kreativen Partner Michael McHugh (Black Lips, Ty Segall, Allah-Las) zusammen. McHugh war eine Legende in der oft unterschätzten Musikszene von Orange County, in der Nick groß wurde. Um die Energie ihrer Jugend in der Szene von Huntington Beach wieder einzufangen, lud Nick ihn an seinen neuen Wohnort San Francisco ein und bat ihn, sich noch einmal an die Regler zu setzen. Nachdem McHugh an Bord war, rief Nick einfach seine Lieblingsmusiker an. Wie durch ein Wunder sagten alle zu: Jazzmusiker Bob Kenmotsu spielt Flöte, Ralph Carney, Gefährte von Tom Waits und Elvis Costello, Saxophon, Will Blades, ein Schützling von Dr. Lonnie Smith, ist an der Orgel zu hören. Auch die Besetzung an den Bläsern, an Bass und Gitarre liest sich wie ein 'Who's who' der Musiklegenden. Das Ergebnis ist ein überschwängliches und makellos produziertes Album, auf dem Waterhouse seine exzellenten Fähigkeiten als Musiker und Bandleader zeigt
Nick Waterhouse - Black Glass
Juse Ju - Übertreib nicht deine Rolle
In Sachen Selbstinszenierung übertreibt Juse Ju auch seine Rolle und verliert sich dann mit den Möglichkeiten, die Rap ihm hierbei bietet, gern auch mal in Albernheiten: "Ich verstricke mich in Unsinn, den ich selber dumm find'. Aber es wird mich schon nicht umbringen."
So groß sein Hass aber auf Rap als Business ist, so groß ist auch seine Liebe zum Untergrund und den Battle-Jams. In den Jahren nach seinem Abschluss 2012 arbeitet Juse Ju neben seiner Tätigkeit als Redakteur, Videojournalist und Moderator fürs Radio, unter anderem als Interview-Host der Battle-Liga Don't let the label you, moderiert die Untergrund-Jam Tapefabrik und macht selbst weiter Musik: "Ich kann doch diesen Spasten das Feld nicht überlassen!"
Juse Ju - Männer
Edit zum offenen Brief an 
Zwei Tage haben sich ins Land getrollt.
Lässt man den Mikro-Kosmos vor der eigenen Haustür außer acht, tat sich eigentlich kaum etwas in dieser Welt, das mich hätte aus meiner Nachdenklichkeit reißen können, die mir seit dem Rundumschlag von im Nacken verankert zu sein scheint.
Augenzwinkernd muss ich zugeben, dass Herrn Putins Unterschrift unter ein Gesetz, das eine von ihm eingesetzte Expertentruppe zukünftig berechtigt News von Fake-News zu trennen, um anschließend das zu tun, was im Sinne des russischen Volkes getan werden muss, ich auch nicht vollkommen uninteressant fand.
Zumal genau zu diesem Thema plötzlich in einem Video auftaucht, in dem mir ausführlich die Kehrtwendung erklärt (eine Körperdrehung, vereint mit dem Revidieren voran getätigter Ankündigungen, die ich in diesem Zusammenhang ausdrücklich befürworte) und darin mir u.a. seine Vision von Steemit näher bringt.
Nicht schlecht auch die Aktion der italienischen Regierung, die Besatzung der “Mare Jonio” samt gleichnamigem Schiff in Verwahrung zu nehmen, da diese kriminelle Bootscrew doch tatsächlich 49 Menschen vor der libyschen Küste aus einem Schlauchboot gefischt hatten und sie damit vor dem sicheren Ertrinken gerettet hat. Die Destabilisierung Italiens im Blick, musste also rasch gehandelt werden. Besatzung in den Knast, Schiff an den Haken und über die verbliebenen Migranten an Bord denkt die Regierung später nach.
Es bleibt also alles wie zuvor. Die Kloschüssel ist ganztägig geöffnet und das Kotzen wird nicht gebührenpflichtig.
Doch nun zu den Visionen - angedacht von .
Ich stimme dem zu, dass ein gewichtiges Upvote Mittag- und Abendessen einer ganzen Familie sichern kann. Doch muss dir bei deinen Bemühungen auch klar sein, dass du gegen den Strom schwimmst. Nur ein erschreckend kleine Minderheit hat den humanitären Charakter dieser Plattform überhaupt verinnerlicht.
Das Humane, also das Menschliche, das du ansprichst, halte ich für einen Begriff, der von uns bereits längst so verunstaltet wurde, dass er nur noch Traurigkeit in mit hervorruft und somit kaum mehr Raum in meinem Denken findet.
Ich möchte viel lieber, dass wir endlich ehrlich zueinander sind. Dieses ganze verlogene Geschiebe von Sympathien hat nichts, aber auch wirklich gar nichts mit einer erstrebenswerten Zukunft auf der Plattform zu tun.
Doch genau diese Tugenden sind auf Steemit nicht gefragt. Warum vermissen wir die manchmal Unbequeme und Querdenker wie ,
und
? Weil sie uns auch ab und an den Kopf gewaschen haben, obwohl wir uns gerade erst so schön an unsere Schuppen gewöhnt hatten.
Da ich noch nie aus meiner humanitären, noch viel weniger aus meiner politischen Einstellung ein Hehl gemacht habe, werde ich auf dieser Plattform immer das bleiben, was man so gerne nebenbei mitnimmt. Liebend gerne gelesen - aber das soll es auch gewesen sein. Das Motto scheint zu lauten: Lange genug ignoriert, wird auch er irgendwann die Lust verlieren.
Irgendwann habe ich es auch aufgegeben mir die Nutzernamen derer zu vermerken, die mir durch das Verbreiten menschenverachtender Parolen auffällig geworden sind. Das kann ich mir selbst nur als ein Scheitern eingestehen. Deinen Versuch eines Neuanfangs würde ich liebend gerne aktiv in Angriff nehmen. Doch steht das berühmteste aller Fragewörter mutterseelenallein im luftleeren Raum: Wie?
Es gäbe zwar noch genügend Stoff für weitere Zeilen, doch gehe ich davon aus (wenn es überhaupt jemand liest), dass in den Kommentaren das eine oder andere noch angesprochen wird.
In diesem Sinne
Liebe Grüße
Wolfram
Hinweise auf lesens- und hörenswerte Beiträge:
Wer interessiert am Jazz ist, der findet hier was: #jazzfriday
Soll es was ganz Leckeres für den Magen sein: #w74-rezepte
Kurzgeschichten oder Ausflüge in die deutsche Sprache, dann wird man sicher fündig unter: #ganzwenigtext
Alte Ausgaben des Wochenrückblickes liegen hier: #wochenrueckblick
Mahnende Worte von der Kanzel herab (oder von wo auch immer): #sonntagspredigt
Nicht zu vergessen: BRenNgLAS