Sieben belanglose Sätze über das Nichts!
Herzlichst willkommen zu der ersten Ausgabe des BRenNgLAS-Wochenrückblicks nach einem Osterfest, das zwar nicht unbedingt durch reichhaltiges Erscheinen von Osterhasen bei den Ostermärschen in Erinnerung bleiben wird, aber dafür der täglichen, sinnlosen Gewalt alle Türen geöffnet hatte.
Nun sind acht Tage vergangen, der Irrsinn rangelt sich weiter um die Vorherrschaft in seiner Grenzenlosigkeit mit der Dummheit, beides Bergriffe vom Menschen erfunden, ausgebaut, geprägt und bis zur Perfektion gebracht und die Natur lässt uns derweil ganz entspannt wissen, dass es nur ganz wenig bedarf und wir Großmäuler sind alle ein Teil der Geschichte, die anschließend kein Osterhase mehr interessiert, da auch der endlich ohne Verkleidung und Stanniolpapier in sein normales Leben zurückkehren darf.
Obwohl ein ausgiebiger Hagelsturm am gestrigen Tag so ziemlich jedes junge Pflänzchen, das sich so frühzeitig aus der Erde getraut hat und eigentlich ein fester Bestandteil meiner Nahrungseinheiten sein sollte, mit schwersten Kopfverletzungen auf den Boden zwang, bin ich bester Laune, da die Natur bisher noch immer wusste, wie aus der größten Scheiße auch gut Verdauliches heranwachsen kann. Außerdem, so wurde mir ins Ohr geflüstert, soll es im nächsten Jahr viel besser werden. Na dann …
Schauen wir lieber mal auf das, was auf jeden Fall wiedergekäut werden muss.
Die Inhaltsangabe:
- Das heutige Hauptthema, also der Aufmacher schlechthin, ist nicht nur geprägt von langen Sätzen, sondern auch von der Fahrlässigkeit, wie wir manchmal mit etwas umgehen, das wir im Nachhinein als Nichts bezeichnen. ”Über was denkst du gerade nach?” ”Nichts."
- Danach blättere ich erneut in dem Buch, das es in dieser Woche auf meinen Nachttisch geschafft hat. Nicht ganz ohne Grund, denn es beschäftigt sich überaus humorvoll mit dem, was man nie aus den Augen verlieren sollte: Der wagemutige Blick über den Tellerrand hinweg.
- Der Spagat, was die Musik zwischen London und Norddeutschland betrifft, könnte mit Alex Hepburn und Ina Bredehorn nicht besser gelingen. Es kommt halt eben nur auf die Wahl der Worte an.
- Ich möchte ungern den Nachschlag, den ich sanft mit den Worten ankündige ”Was mir sonst noch auffiel” nicht wirklich zu einem Platz verkommen lassen, an dem sich wöchentlich das Angestaute aus der Seele gekotzt werden kann. Daher begebe ich mich stets auf die Suche nach Momenten, in denen die Welt noch heil scheint. Zum Glück gab es die auch in der vergangenen Woche. Nur was die Interpretation der Ereignisse betrifft, gab es in der Redaktion leichte Unstimmigkeiten.
- Dass das faire Miteinander kein hohler Spruch bleibt, sollte eigentlich zur Wochenaufgabe, wenn nicht zu viel verlangt, zur Lebensaufgabe auserkoren werden.
hat das Motto anschaulich verpackt. Wann beginnen wir das Geschenk endlich in unser Handeln zu integrieren?
- Da die BRenNgLAS-Redaktion geradezu süchtig nach Lesern sucht, die auch gerne in der Vergangenheit stöbern, haben wir ein paar wenige Seiten aufgelistet, hinter denen sich vielleicht Bemerkenswertes auffinden lässt.
- Letztendlich liefert das Impressum den Schlusspunkt, den eine jede Ausgabe, ohne den kein Wochenrückblick in den Druck gehen darf, da es die Adresse beinhaltet, an die die Beschimpfungen und übertriebenen Lobhudeleien abgeliefert werden dürfen.
Mir bleibt also nichts anderes übrig, als viel Vergnügen mit der heutigen Ausgabe zu wünschen.
Das Nichts und seine Folgen
Ich ärgere mich meinen Gedanken so selten die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.
So geschehen in dieser Woche, als ich in einem Moment des Nichtstuns
das Nichts im Nichts entdeckte, aus einer, mir momentan nicht nachvollziehbaren Laune heraus dem Nichts keine Bedeutung beimaß, möglicherweise einfach auch nicht die notwendige Sympathie entgegenbrachte, es daher zurück ins Nichts legte und mich etwas total Abstraktem zuwandte, was nach kürzester Zeit in mir den Sinneseindruck der Langeweile zum Leben erweckte, sich mit dieser Nebenwirkung selbst das Grab schaufelte und logischerweise gleich darauf auf dem Friedhof der Vergessenheit die letzte Ruhestätte fand.
Überraschenderweise verweigerte jedoch das kleine, unscheinbare Nichts sich den Mantel der Trivialität überstreifen zu lassen, wohl wissend was mit Gedanken passiert, die des inhaltlichen Armuts überführt werden und verstand gleichermaßen geschickt wie unbemerkt, sich festzuhaken in meiner Sprunghaftigkeit, welche in diesem Fall lediglich als Abstraktion ihre Berechtigung haben kann, da ich physisch, dank verschiedenster Gebrechen, auf die ich hier jedoch nicht näher eingehen möchte, zu solchen Kapriolen augenblicklich gar nicht in der Lage bin.
Diesen Werdegang des unbeachteten Nichts rückblickend in Augenschein genommen, hielt sich meine Verwunderung dementsprechend in Grenzen, als plötzlich am Mittwochnachmittag dieses Nichts wie aus dem Nichts heraus wieder greifbar nahe vor mir auftauchte, mir einen Blick zuwarf, obwohl man genaugenommen Blicke überhaupt nicht werfen kann, dem Wärme und Wohlgemut vollkommen abhandengekommen schienen, dann aber doch den Dialog der unterkühlten Distanziertheit vorzog und sich bei mir erkundigte, ob ich wahrhaftig der Meinung sei, so lieblos mit einem kleinen Moment des Nichts im Alltag der lächerlich profanen Ereignislosigkeit, die sogar noch zur Überheblichkeit neigt, umgehen zu können.
Wohl der Tatsache geschuldet, auf einer gut ausgebauten Gedankenstraße mit entgegenkommenden Problemen nicht nur regelmäßig in Panik zu geraten, beruhend auf der optischen Täuschung einer sich immer weiter verengenden Fahrbahn, hadere ich einen kurzen Augenblick mit meinem Schicksal, das mir offensichtlich den falschen Tag in mein, der Monotonie gewidmeten Leben eingebaut hat, finde überraschenderweise doch wieder zurück zum Nichts und bemerke mit Erschrecken, dass mir die Peinlichkeit inzwischen im Gesicht geschrieben steht, was bei genauerer Betrachtung natürlich sogleich wieder revidiert werden muss, da mir zuvor niemand das Bekenntnis zur Peinlichkeit mit Punkt und Komma ins Gesicht gekritzelt hat.
Es offenbart sich auf eklatante Art und Weise meine Einfallslosigkeit mit Nichts das anfangen zu können, mit dem nicht nur ich, sondern auch das Nichts gut hätte leben können, ein Anspruch dem, da unbestritten als Pfeiler der Grundrechte erstellt, jedes Jahr nicht nur die volle Ignoranz entgegengebracht, sondern auch noch neu angestrichen werden sollte, wobei es hier weniger auf die Farbgebung, sondern den ständig verblassenden Schein ankommt, das es von meiner Seite her ja vollkommen ausgereicht hätte, dem Nichts einen Namen zu verleihen, aus der Anonymität des Nichts in meine Gedanken vordringen zu lassen oder der Klarinette Töne zu entlocken, die dem Nichts das Lied des Willkommen seins zu Füßen legen.
Nun habe ich versucht dem Nichts aus dem nahezu unbeachteten Nichts zu verhelfen und ich muss konsterniert konstatieren, mir fällt nichts Besseres ein, als von einer Volksweisheit in die nächste zu schlittern, die sich letztendlich als nichts anderes entpuppen, als Teile des Nichts, die es aber seinerzeit verstanden, sich so herauszuschmücken, dass sie heutzutage nicht nur auf Geburtstagen, Hochzeiten, am Stammtisch, ja sogar auf der nächtlichen Ruhestätte willkommen sind, sondern auch Rast auf dem Schreibtisch einer Sprachexpertin machen, was den Umtriebigen jedoch meist böse aufstößt, da die unbestrittene Kapazität in Sachen “Nicht-zu-beanstandender-Satzbau” vor nicht all zu langer Zeit verkündete, unaufgefordert auftauchende Weisheiten erst einmal sacken lassen zu müssen.
Ähnlich dem kleinen, unscheinbaren Nichts, welches sich meiner Sprunghaftigkeit anschloss, schaffte es das beinahe bedrohlich wirkende Sacken ebenso an mir einen festen Halt zu finden und zwar auf meiner Schulter von wo es die kurze Distanz zu meinem Ohr konsequent nutzte, um mir in unregelmäßigen Intervallen Stichwörter zuzuflüstern, die als Alleindarsteller zwar einen durchaus guten Eindruck hinterließen aber mich als Ensemble haushoch überforderten, da durchsacken, herabsacken, einsacken, wegsacken oder piesacken vielfältig einsetzbar, jedoch in keinen Sack zu passen scheinen und sich erst recht nicht freiwillig sacken lassen, da ihnen auch noch nie jemand verraten hat, wohin man Gehörtes überhaupt sacken lassen kann.
Mich am frühen Sonntagmorgen meiner geistigen Überforderung voll und ganz ergebend, lege ich den Griffel zur Seite und reiche den variantenreichen Sack samt schwer verdaulichem Inhalt an die Sprach-Koryphäe im hohen Norden weiter.
Heiterer Stoff zum sacken lassen aus der BRenNgLAS-Redaktion
Der Autor:
Tom Perrotta
Tom Perrotta wurde 1961 in Garwood, New Jersey geboren. Seine Romane (u.a. Little Children mit Kate Winslet in der Hauptrolle) werden regelmäßig fürs Kino verfilmt. Perrotta lebt in der Nähe von Boston.
Das Buch:
Mrs. Fletcher
Das Leben ist zu kurz, um sexuell frustriert zu sein.
Mit zarten 46 Jahren kann’s das doch noch nicht gewesen sein! Gerade war Eve Fletcher noch alleinerziehende Mutter. Jetzt probiert ihr Sohn Brendan am College aus, was es heißt, ein Mann zu sein, und auch, was es nicht heißt. Aber sind Mütter nicht auch nur Frauen? Also umsortieren, neu aufstellen, was wagen – aber wie? Während Eve und Brendan jeder für sich mal mehr, mal weniger glorreiche Abenteuer bestehen, steuern sie unbeirrbar auf eine schicksalhafte Novembernacht zu, die ihr ehemals so geordnetes Vorstadtleben aus den Angeln zu heben droht.
Alex Hepburn - Things I’ve Seen
Die britische Singer-Songwriterin, die 2013 ihr erstes Album auf den Markt brachte, wird fälschlicherweise oft mit Janis Joplin verglichen, was ich als absoluten Blödsinn einstufe, da Alex Hepburn nicht nur ihre Songs selbst schreibt und nicht so sehr dem Blues, sondern viel mehr dem Soul zugewandt ist. Aber hört einfach selbst rein!
Alex Hepburn - I Believe
Deine Cousine - Attacke
Die Band, von der im Netz behauptet wird, sie habe sich deutschen Texten und dem Punk-Rock verschrieben, wird eindeutig beherrscht von ihrer Frontfrau Ins Bredehorn, die in den Jahren zuvor mit Lindenberg und Wirtz auf der Bühne stand. Ich habe auf dem Album vergeblich nach dem angekündigten Punk gesucht, bin jedoch von dem klassischen Rock, den sie unter die teils wirklich guten Texte legen, keineswegs enttäuscht.
Deine Cousine - Freund oder Feind
Was mir sonst noch auffiel:
Der amerikanische Präsident scheint sehr besorgt um das Arbeitspensum, das den einzelnen Gremien der Vereinten Nationen zugemutet wird. Anders kann ich mir seine Entscheidung nicht erklären, den UN-Vertrag über den Waffenhandel (ATT) nicht zu unterzeichnen. Zu viel Schreibarbeit, zu viel Papierkram, zu viel Tinte und Aufwand für nichts und nochmal nichts.
Außer den befürchteten Überstunden in New York hatte der Macher im Weißen Haus jedoch noch andere stichhaltige Argumente, die auch bei zweiter Betrachtung an ihrer Überzeugungskraft nichts einbüßen.
"Amerikaner leben nach amerikanischen Gesetzen, nicht nach Gesetzen anderer Länder"
Das hört sich sehr gut an. Vor allem, wenn berücksichtigt wird, dass seit Monaten auf China eingedroschen wird, weil die nach eigenen Gesetzen handeln. Und außerdem, so der Präsident, seien die Gewalttaten in Amerika um satte 6 % zurückgegangen, ein Rückgang der so von der Waffenlobby nicht hinzunehmen ist. (Das hat er zwar so nicht gesagt, aber was nicht ist, das …)
Und wo wir gerade in New York weilen, sollte unser Außenminister nicht unerwähnt bleiben, der sich in der letzten Woche flugs prominente Damen an seine Seite holte, um endlich etwas durchzusetzen, was Kriege viel humaner werden lassen soll, da es vollkommen ausreiche, sich gegenseitig zu erschießen, da müsse nicht nebenbei, vorher oder hinterher auch noch vergewaltigt werden. Eine begrüßenswerte Botschaft an alle Schlächter dieser Welt, die noch immer ganz schockiert von der Nachricht sind, dass der Internationale Gerichtshof in den letzten Zügen liegt. Aber vielleicht übernehmen ja die Blauhelme die Aufsicht vor Ort? Da diese jedoch nicht direkt eingreifen dürfen, werden sie sich ganz auf das Mahnen und Verteilen von Kondomen konzentrieren.
Noch eine tolle Nachricht für alle Aktienbesitzer, die fasziniert zu den Vorstandetagen aufschauen und immer wieder überrascht sind, mit welch einfachen Mitteln dort ihr Geld verbrannt wird. Doch jetzt haben sich einige erhoben und den warnenden Finger gezeigt. Bei der Aktionärs-Versammlung von Bayer/Monsanto setzte man ein klares Zeichen und verweigerte dem Vorstand die Entlastung.
Konsequenz: Null und Nichts!
Erklärung: Man wollte zeigen, dass man aufpasst!
Hallo Bayer-Aktionäre,
schiebt doch einfach den Schotter zu mir rüber, denn das, was die in Leverkusen können, schaffe ich auch - nur nicht so schnell.
Einen schönen Sonntag wünsche ich und verabschiede mich mit besten Grüßen
der Chefredakteur
Hinweise auf lesens- und hörenswerte Beiträge:
Der Wegweiser für alle, die das für sie Wichtige suchen: steemwiki
Wer interessiert am Jazz ist, der findet hier was: #jazzfriday
Soll es was ganz Leckeres für den Magen sein: #w74-rezepte
Kurzgeschichten oder Ausflüge in die deutsche Sprache, dann wird man sicher fündig unter: #ganzwenigtext
Alte Ausgaben des Wochenrückblickes liegen hier: #wochenrueckblick
Mahnende Worte von der Kanzel herab (oder von wo auch immer): #sonntagspredigt
Nicht zu vergessen: BRenNgLAS