Vorweg: auch ich halte das derzeitige Patent-, Lizenz- und Urheberrecht für dringend reformbedürftig, insbesondere wenn man sich solch haarsträubende Entwicklungen anschaut, dass große Konzerne sich das Genom von Tieren und Pflanzen "patentrechtlich" schützen lassen wollen, oder wenn im Urheberrecht die Nachkommen von großen Autoren oder Musikern Millionen mit Lizenzen verdienen, an deren Entstehung sie überhaupt nicht beteiligt waren.
Aber eine komplette Abschaffung des geistigen Eigentums halte ich für falsch:
Im Artikel wird die "Unbegrenztheit von Ideen" angesprochen und der libertäre Gedanke des Naturrechts (der mir durchaus sehr sympathisch ist :-), der sagt, wenn ich jemanden nichts "wegnehme", da er ja sein Buch, sein Musikstück oder den Apparat den er erfunden hat, auch weiterhin nutzen kann, dann muss das auch erlaubt sein.
Dabei wird meiner Meinung nach aber übersehen, dass es mit der "Idee" allein ja nicht getan ist:
Ein Buch muss geschrieben werden, ein Musikstück produziert und der Prototyp einer Maschine muss entworfen und gebaut werden.
Das heißt: es fließt die Arbeitszeit und Arbeitskraft des Urhebers oder Erfinders hinein. Dies nun einfach zu "kopieren" ist meiner Meinung nach genauso Diebstahl wie jeder andere, da ich seine Erträge (knappes/begrenztes Gut)schmälere.
Ich glaube ein einfaches "ja" oder "nein" zur Frage des geistigen Eigentums wird dem komplexen Sachverhalt nicht gerecht, an dieser Stelle aber über sinnvolle Kompromisse und Lösungen zu sprechen, würde hier zu weit führen.. ;-)
RE: Österreichische Schule (Wiener Schule) N. Stephan Kinsella