English summary: When you climb up your "career hill", the most direct way up is maybe not the right one! It is maybe better to end up on a higher hill more far away, but it hard to first climb down.
Liebe Hiver,
kennt Ihr den Bergsteigeralgorithmus? Es ist eine mathematische Optimierungsprozedur, aber auch anwendbar für andere Fragestellungen. Wenn man z.B. in dichtem Nebel die Gegend nicht sieht, einfach in die Richtung gehen, die am steilsten bergauf führt, irgendwann ist man dann zwangsläufig am Gipfel.
Genauso verhält es sich mit der Karriere. Man sollte herausfinden, wie es hinauf geht und dann Schritte in diese Richtung machen, um am Ende "ganz oben" zu stehen (oder zumindest dort, wo man hin will, "ganz oben" ist für viele ja gar nicht erstrebenswert).
Einschub: Natürlich, "höher" ist nicht automatisch besser und schon gar nicht für jeden, manche scheuen regelrecht Verantwortung, das ist komplett in Ordnung. Aber es ist auch nachvollziehbar, dass viele hinauf wollen, denn von "oben" hat man mehr Übersicht und Entscheidungsfreiheit, und finanziell lohnt es sich auch meist.
Aber so einfach ist es nicht, denn aus weiter Ferne betrachtet, gibt es nicht nur einen Hügel, sondern oft mehrere, und wenn man stur denjenigen hinaufklettert, an dessen Fuß man (zufälligerweise) steht, landet man in einer Sackgasse! Denn ein entfernterer Hügel könnte eine viel bessere Karrierehöhe bieten (oder eine bessere Lebensqualität, oder einem einfach mehr liegen), aber man vertraut seinem (unbewussten!) Bergsteigeralgorithmus, der nichts anderes ist als eine der vielen Urteilsheuristiken, die einen oft in die Irre führen.
https://cdixon.org/2009/09/19/climbing-the-wrong-hill
Mir scheint, viele Leute sind in einem Alltagstrott gefangen, der sie daran hindert, einmal den Blick schweifen zu lassen und andere Hügel überhaupt erst zu sehen. Für viele ist ein Karrierrewechsel bzw. ein "Umsatteln" eine Denkunmöglichkeit. Meist herrscht auch dicker Nebel, der einen andere Möglichkeiten gar nicht sehen lässt. Sind die Massenmedien nicht wie ein dicker Brei, der sich auf die Schultern der Menschen legt?
Hat man aber den richtigen Hügel ausgemacht, kostet es viel Überwindung und Widerstand, seinen derzeitigen (Karriere-)Pfad abzubrechen, wieder weiter unten zu beginnen und einen ganz neuen Hügel zu besteigen! Es erscheint zu logisch und einladend, den direkten Schritt nach oben zu machen anstatt einen vermeintlichen Schritt nach unten. Es verhält sich nicht viel anders als bei Experimenten zum Belohnungsaufschub. Will man jetzt eine kleine Belohnung nehmen oder kann man abwarten, um später eine größere zu erhalten? Würdest DU jetzt 1000€ nehmen oder in 7 Jahren 2000€?
Ich selbst habe einmal in meinem Leben den Hügel gewechselt und meine Dissertation abgebrochen (2 1/2 Jahre Arbeit im Prinzip hingeschmissen) und woanders neu angefangen. Damals war die Wahl aus verschiedenen Gründen nicht schwer für mich. Ich habe es jedenfalls nie bereut. Heute nochmal komplett zu wechseln könnte ich mir dagegen nur sehr schwer vorstellen.
Standest Du schon einmal vor so einer Wahl, einen anderen Hügel zu besteigen?
Oder gibt es für Dich vielleicht einen entfernteren Hügel, der Dich lockt, aber dorthinzukommen zu schwierig wirkt?
Quellen:
https://cdixon.org/2009/09/19/climbing-the-wrong-hill
zum Thema passend:
"Jeder sollte Manager sein"