ad USA-Militär.
Das ist keine VT in meinen Augen. Meines Erachtens reden wir hier von Libertären, die glauben, dass wenn die USA sich an das NAP halten würde, alles gut wäre. Das ist eher Naivität oder Dummheit, denn VT. Denn eine VT impliziert ja eine Verschwörung. Und zumindest die von mir angetroffenen "weg mit dem Militär" haben mir gegenüber nie eine Existenz einer großen Verschwörung erklärt.
ad Evoultion:
Ich denke, dass der Mensch tribal ist, ist allgemein anerkannt. Eine Evolution, ob natürlich oder nicht, müsste für das 100%ige Funktionieren eines NAP, und das wäre eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Anarchie, dem Menschen seine Aggressivität nehmen. Für mich ist das jedoch eher eine Dystopie, weil ich die Aggressivität für einen essentiellen Bestandteil im Menschen halte. Eben auch für praktisch alles Positive. Wie soll überhaupt jeder Antrieb ohne Aggressivität funktionieren? (Kulturelle Cross-Referenz: Film "Serenity")
Für mich ist das eine nicht wirklich legitime Argumentationsweise, rein hypothetische evolutionäre Entwicklungen, die meilenweit vom jetzigen Ist-Zustand entfernt sind, als gültig für die Möglichkeit eines Gesellschaftszustandes anzunehmen.
Sollte eine solche Diskussion sich nicht um die Fakten drehen? Und die beinhalten eben die Vergangenheit und die Gegenwart, nicht aber eine hypothetische, meilenweit evolutionär entfernte Zukunft. Ansonsten ist natürlich nicht nur auch der Kommunismus plötzlich eine valide Option (denn wer hätte die Hybris auszuschließen, dass der Mensch sich nicht evolutionär so entwickelt, dass der Kommunismus funktioniert?) (*)
Ich finde es ein wenig irritierend, dass Du so etwas als Argument anführst. Denn dann ist schlicht jede Utopie oder Dystopie möglich.
"Unter Wasser leben ohne Luftzufuhr von der Oberfläche und ohne anfällige Maschinen? Was hast Du denn für einen Größenwahn auszuschließen, dass der Mensch Kiemen entwickelt und nicht mehr auf Sonnenlicht angewiesen ist?"
Diese von Dir gezogene Parallele diskreditiert die Anarchie aber nicht.
Muss sie auch nicht. Es ist nur eine amüsante Beobachtung, wie sehr sich beide in ihrer Argumentation gleichen. Dass die Hufeisentheorie nicht nur bei dem deutschen "links" und "rechts" gilt, sondern auch bei dem Staatlichen-Invidualistischen Gegensatz.
Ich finde, dass Deine Argumentation sehr pauschal ist (z.B. werden Annahmen als Fakten dargestellt) und auf historischen Paradigmen beruht und, dass Du Dir viel zu sicher über die Korrektheit des Ergebnisses Deiner Analyse bist. Und diese (vermeintliche) Sicherheit würgt eine Diskussion ab. Wozu diskutieren, wenn einer meint "Das ist so, wird immer so sein und alles andere ist ein Hirngespinst."?
Mein Problem ist, dass Du Dich eben von all dem frei machst. Ich vermute mal, Du kannst mir nicht ein Beispiel nennen, wo eine wirklich anarchische Gesellschaft auch nur fünf Jahre überdauert hat. Also wirklich ohne jede Herrschaft.
Stattdessen führst Du eine angenommene Evolution des Menschen als Argument an. Wenn das legitim ist, dann ist wirklich alles offen. Dann kann man schlicht alles argumentieren. Bis hin zu der Erklärung "Eine Enthauptung tötet nicht" - weil man ja nicht ausschließen könne, dass der Kopf mal nachwachse.
Das ist für mich ziemlich unseriös.
Ich behaupte, ich kann Dir argumentativ jedes anarchische Szenario kaputt machen, solange Du nicht einen "neuen Menschen" einführst. Und "neue Menschen" wollten schon andere Ideologien schaffen. Zum Glück sehe ich bei den meisten Anarchisten allerdings keine Ambition, ihn durch Massenmord zu erschaffen.
Aber wirklich weiter kommen wir hier tatsächlich nicht. Du sprichst von einer künftigen Vision, deren Anstreben Du als philosophische Richtung verfolgst. Ich bestreite vehement, dass nach bestehenden Erkenntnissen eine solche Gesellschaftsform möglich ist. Weil die menschliche Natur nicht dafür geeignet ist, so wenig wie für Kommunismus.
Wenn man nun aber die menschliche Natur verändert, dann ist irgendwann allerdings alles möglich. Auch Leben im All ohne Raumanzug. Das können Bärtierchen immerhin schon jetzt. Mit genügend Genmanipulation kann natürlich auch Deine Anarchische Gesellschaft funktionieren. (Achtung: ich habe Anarchie für möglich erklärt). Das sind halt dann keine Menschen mehr.
(*)
Lustigerweise kann man noch eher behaupten, Kommunismus funktioniere, denn Anarchismus. Denn tatsächlich gibt es ja Länder, die seit Jahrzehnten ein weitgehend kommunistisches System aufrecht erhalten. Zwar mittels Leichenbergen und entsetzlicher Armut, aber Nordkorea ist wohl unzweifelhaft dem perfekten Kommunismus am nächsten. Anarchie in auch nur annähernd umfangreicher Umsetzung gibt es wohl kaum irgendwo, erst recht nicht 25 Millionen Menschen betreffend.
RE: Steemcleaners zeigt, dass Anarchie nicht funktioniert