Liebe Leserinnen, liebe Leser
Heute folgt Nr. 2 des Trios über die christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe. Bevor wir bei der Hoffnung einsteigen, will ich den Begriff Tugend selbst etwas genauer unter die Lupe nehmen.
Das Wort Tugend leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen tugent ab, dies bedeutet Kraft, Macht oder Fertigkeit. Die lateinische Übersetzung lautet virtus und bedeutet so viel wie taugen. Bei Tugenden geht es also um Eigenschaften, die häufig positiv assoziiert werden. Sie stechen bei der Betrachtung einer Person heraus und werden besonders hervorgehoben. Sieht man sich gängige Tugendkataloge an, stellt man fest, dass sich diese je nach Kulturkreis unterscheiden.
Sie sind also abhängig vom kulturellen Kontext und sicherlich auch der jeweiligen Epoche.
Das mag ihre gesellschaftliche Bedeutung etwas relativieren. Für den Einzelnen können sie dennoch eine Richtschnur und somit eine Orientierungshilfe sein. Trotz aller Unterschiede und der zeitgeistlichen Deutung, sind einige Tugenden fast schon universell und haben somit auch über die Grenze von Kultur und Zeit einen Stellenwert.
Die drei christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sind für mich solch universell gültigen. In meinem Leben spielen sie eine wichtige Rolle. Allerdings eher in meiner eigenen Auslegung als in der kirchlichen, aber das erwähnte ich bereits in der letzten Ausgabe. Kommen wir also zum Kern des heutigen Beitrags: Der Hoffnung.
Spes
Spes oder Hoffnung ist in unserem heutigen Sprachgebrauch klar positiv konnotiert. Ursprünglich meint der Begriff aber schlicht so etwas wie Erwartung auf etwas künftiges, dabei bleibt offen ob positiv, negativ oder neutral. In der kirchlichen Lehre ist mit Hoffnung die Hoffnung auf Erlösung gemeint. Auch Spes kann aber wieder offener interpretiert werden.
Auf was genau gehofft wird ist so vielfältig wie die Menschen selbst. Wir hoffen darauf gesund zu bleiben, oder das sich unsere materiellen Wünsche erfüllen mögen. Manche hoffe einfach nur auf ein ruhiges Leben usw. Es fällt auf, dass es dabei meist um eine Ausrichtung auf etwas zukünftiges geht. Dabei kann eine Hoffnung, wenn sie sich nicht zu erfüllen droht, auch leicht in Sorge umschlagen und so zum Ballast werden.
Ist Hoffnung also etwas schlechtes, was uns vom hier und jetzt abhält?
Nein, nicht zwangsläufig, denn sie ist eng mit dem Glauben, oder Vertrauen, verwandt. Aus einer offenen Haltung kann Hoffnung Kraft und Trost spenden. Gerade weil es im Leben so viele Unwägbarkeiten und Herausforderungen gibt dürfen wir hoffen.
Hoffnung wird dann zum Ballast, wenn sie zu sehr Ich-bezogen wird und nur aus egoistischen Motiven heraus erfolgt. Eine gesunde Portion Altruismus und Demut sind hier aus meiner Sicht angezeigt. Ich finde es auch inspirierend in welch ausweglosen Situationen die Menschen die Hoffnung nicht verlieren, es relativiert die eigenen Sorgen und Nöte und bietet, wie erwähnt, Hilfe diese einzuordnen.
Zum Schluss dieser Betrachtung will ich euch ein Zitat von Anne Frank mitgeben:
Wo Hoffnung ist, da ist Leben. Es erfüllt uns mit neuem Mut und macht uns wieder stark.
Nächste Woche widme ich mir der letzten und aus meiner Sicht wichtigsten der 3 Tugenden, der Liebe.
bis bald.
English version
Dear Readers
Today is No. 2 of the trio on the Christian virtues of faith, hope and love. Before we start with hope, I want to take a closer look at the term virtue itself.
The Latin translation virtus means to be good at something. So virtues are about qualities that are often positively associated. They stand out when you look at a person and are emphasized. If you look at common catalogs of virtues, you will see that they differ from culture to culture.
They are therefore dependent on the cultural context and certainly also the respective epoch.
This may relativize their social significance somewhat. For the individual, however, they can be a guideline and thus an aid to orientation. Despite all the differences and the interpretation of the times, some virtues are almost universal and thus have a significance even across the boundaries of culture and time.
The three Christian virtues of faith, hope and love are such universally valid ones for me. In my life they play an important role. However, more in my own interpretation than in the church's, but I already mentioned that in the last issue. So let's get to the core of today's article: hope.
Spes
Spes or hope clearly has a positive connotation in our current usage. Originally, however, the term simply meant something like expectation of something future, leaving open whether positive, negative or neutral. In church doctrine, hope means the hope of salvation. Spes can also be interpreted in a more open way.
What exactly is hoped for is as varied as the people themselves. We hope to stay healthy, or that our material desires may be fulfilled. Some simply hope for a quiet life, etc. It is noticeable that it is mostly about an orientation towards something in the future. At the same time, if a hope does not threaten to come true, it can easily turn into worry and thus become a burden.
So is hope something bad that keeps us from the here and now?
No, not necessarily, because it is closely related to faith, or trust. From an open attitude, hope can give strength and solace. Precisely because there are so many imponderables and challenges in life, we may hope.
Hope becomes a burden when it becomes too ego-centered and is only motivated by selfish motives. In my view, a healthy dose of altruism and humility is indicated here. I also find it inspiring in what desperate situations people do not lose hope, it puts one's own worries and needs into perspective and offers, as mentioned, help to classify them.
At the end of this reflection I want to give you a quote from Anne Frank:
Where there is hope, there is life. It fills us with new courage and makes us strong again.
Next week I will focus on the last and, in my view, most important of the 3 virtues, love.
see you soon.
Mostly translated with www.DeepL.com (free version)
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