Der Gundermann – Der gute Hausgeist der (Selbst-)Erkenntnis.
Vorwort:
Meine Posts dienen nicht als Heilversprechen.
Es sind Wegweiser. Ich weise darauf hin, dass es diesen Weg im Einklang der Pflanzen gibt.
Den Weg erfährt ihr selbst.
Das Erfahren des Erkennens der individuellen Potentialentfaltung (Potenzentfaltung, Lebensenergie) und die dazugehörige Verantwortung kann euch niemand abnehmen.
Da der Gundermann, neben der Brennessel, direkt vor meinem Fenster wächst undzwar in UNMENGEN, werde ich euch heute dieses tolle Heilkraut vorstellen :)
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1. Langfassung im Fließtext: Volkstümliche Bezeichnungen, Merkmale, Anwendungsgebiete mit mythologischen/volkstümlichen Hintergrund (Ein Grund, ein Boden, auf den alles steht und wurzelt)
2. Kurzfassung, stichpunktartig als Überblick, allg. "Fakten" (runterscrollen)
Vor allem beim Gundermann habe ich nun bemerkt, wie einfach es ist zu erkennen, wie er verwendet wird und wo er wächst anhand seiner Namen. Ich werde mal bei den nächsten Pflanzen mehr darauf achten und es auch besser in einen Fließtext darstellen, wo man die Zusammenhänge besser verstehen kann.
Bisher habe ich einige Beiträge stichpunktartig geschrieben um sich einen schnelleren Überblick zu verschaffen.
Gundermann ist ein Kraut des Volkstums und der Erfahrungskunde, daher gibt es wenige wissenschaftliche Studien zu dieser Heilpflanze. Aber es gibt sie!
1.
Schriftlich wird der Gundermann seit dem 12. Jahrhundert dokumentiert.
Doch man vergaß, dass er auch schon vorher (v.a. in der vorchristlichen Zeit) als mächtiges Zauberkraut galt.
Denn die alten Germanen nutzten das heute fast vergessene Kraut als Heilpflanze.
Heute nennt man die Pflanze mit ihren wissenschaftlichen Namen Glechoma hederace, wobei den meisten sie unter den Namen Gundermann oder Gundelrebe bekannt ist.
Magie (!)
Im Mittelalter hatte man Angst vor den "bösen" Hexen oder auch negative Gedanken und Intentionen anderer, sodass das Vieh krank werden kann. Die Tatsache, dass nicht alle sogenannten Hexen tatsächlich böse waren, möchte ich in Raum stellen.
Der Gundermann wird nachgesagt, dass sie schutzmagische Wirkungen und Wunderkräfte hat, deshalb hieß sie auch Wunderrebe, Engelkraut, Engelskraut, Kranzkraut, Donnerkraut, Donnerrebe, Gewitterblume. Außerdem heißt es, dass man hellsichtig und wacher wird, also Gegebenheiten vorhersehen kann. In ihr soll ein Schutzgeist leben, der Dämonen und Hexen bannte. Auch galt der Gundermann als Verkörperung eines freundlichen Seelen- und Hausgeist, worauf auch der zweite Teil des Namens „-mann“ hindeutet. Die Hausgeister hatten ein hohes Ansehen bei den Germanen. Daher nutzte man ihn gerne zum Räuchern als Schutzräucherung und auch um Herz und Nerven zu stärken.
Kranzkraut, da man die Blätter der Pflanze gerne an Walpurgisnacht (Nacht zum 1. Mai) (aus dem Jahreskreis Beltane) als Kranz bindet und auf den Kopf zwischen Zirbeldrüse und Kronenchakra trägt. Es soll die hellsichtige Kraft und die Erkennung von Hexen verstärken. Auch ein Blick durch den Kranz reiche schon aus. Generell soll man empfänglicher für die Anderswelt werden. in 1 Monat ist diese sagenumwobene Hexennacht. Vielleicht die beste Möglichkeit, es auszuprobieren.
Allgemein wird der Pflanze im Brauchtum zugeschrieben, dass sie das Verborgene, was sich nur im Dunkeln heraustraut, in der Kälte lungert und meist im Augenwinkel umherhuscht, in Erscheinung treten lässt, ins Licht rückt.
Neben den Kranz auf den Kopf, kann man auch die Gundermannblätter um eine gelbe Kerze wickeln. Wenn man diese Kerze an einem Dienstag anzündet, soll man erkennen, wer einen Böses will.
Das Kraut bringt nicht nur Leben, sondern ist auch mit den Toten verbunden. Man nennt es auch "Totenkraut". Es soll böse Geister und Unheil an den Gräbern der Verstorbenen abwehren.
Anhand des Namen Donnerrebe, Donnerkraut und Gewitterblume kann man erkennen, dass die Pflanze den nordischen Donnergott Donar (aka Thor) gewidmet ist. Man glaubte, dass sie vor Gewitter und Blitzschlag schützen soll (sie gleicht wohl die Spannung aus; ausgleichendes Glied im Gesamtorganismus).
Während sie in der skandinavisch-germanischen Mythologie der Fruchtbarkeitsgöttin Freyja zugeeignet ist.
Im Rocksaum gebundener Gundermann soll die Frau fruchtbarer machen.
Auch am Gründonnerstag (am 6. April, Vollmond) darf er nicht fehlen: Traditionell wird der Gundermann mit 8 anderen Kräutern als Frühjahrskur verwendet (Brennessel, Giersch, Schafgarbe, Löwenzahn, Bärlauch, Spitzwegerich, Sauerampfer, Rauke). 9 ist im Aberglauben eine heilige Zahl und ist der weiblichen Müttergöttin gewidmet, welches Leben bringt und schützt. Er verleiht den 1. vitaminreichen Frühjahrsstoß nach einem langen kalten Winter.
Nicht nur die verrückten Weibchen erkannten die magische Wirkungen der Pflanze, sondern auch die Bauern: Zur ersten Mainacht bekamen die Kühe Gundermann mit Salz ins Futter gestreut, sodass sie mehr Milch geben.
Auch den Bruthennen und Gänsen wurde er klein geschnitten unter das Futter gemischt, damit die jungen Küken kräftig wurden.
Pharmazeutisch bestätigt ist, dass es bei Frauen ähnlich wirkt und den Milchfluss anregt. mein Gedanke: entgiftende Wirkung im Bauch -> bessere Darmflora -> bessere Nahrungsaufnahme durch höhere Bioaktivität -> gesündere Milch.
Im Aberglauben heißt es, dass ungerade Zahlen Zauber unterstützen. So sollen 7 Gundelrebenblätter in ein ungebleichtes Tuch gegeben werden und um den Hals getragen mit sich geführt werden, so vertreibe es den "Brand im Mund". Die Heilung soll sicher eintreten, wenn man 77 Blätter auf eine Wunde legt.
Wesen
Das Wesen der unscheinbaren Pflanze ist es, bewusste oder unbewusste festgehaltene Prozesse im Körper zu lösen und wieder in Fluss zu bringen. Sie hilft dabei alte und unverstandene Gefühle in Ordnung zu bringen, wie auch alte Verhaltensmuster zu erkennen und zu transformieren. Außerdem gilt sie als warmes, erdenverbundenes Kräutlein. Als einer der ersten Frühjahrskräuter vermittelt er mit seiner Wärmekraft das Ende der Winterstarre.
Die Pflanze bringt Fülle, Kraft und hilft dabei, die feineren Eigenschaften des eigenen Wesens zu entwickeln und zum Ausdruck zu bringen. Auf geistiger Ebene fördert sie Gelassenheit, Geduld, Innere Ruhe, lebenserweckende Wärme, das Loslassen und den Neubeginn. (also perfekt um nicht zu überfordernd in den Frühjahr zu starten und sich selbst zu überanstrengen)
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äußerliche Merkmale
In den Namen Efeugundermann, Erdefeu, Erdkränzel, Erdkränzl, Stinkender Absatz, Steinumwickler, Guck durch den Zaun (niederdeutsch: Kiek daer´n Zunn), Huderich und Hederich findet man seine Gestalt, die Wuchsart, wieder. „Efeu“, da es ähnlich wie Efeu niedrig am Boden wächst und sich an Zäunen rankt. Er wird wie Efeu bei Erkrankung der Atmungsorgane verwendet.
"Glechon" aus der wissenschaftlichen Bezeichnung stammt aus dem Griechischem und kann man mit Poleiminze übersetzen. Daher lässt sich ableiten, dass der botanische Name efeuartige Minze lautet.
Anwendungsgebiete
Auch gibt es Namen, die auf die Heilkraft der Pflanze verweisen. Dabei soll „Gund“ der althochdeutschen Bezeichnung für „Eiter“ stammen. Gundam, Gundelrieme, Gundelelse, Gutermann, Gunelreif, Soldatenpetersilie, Gundelrebli (schweizer-deutsch?), Gundelrebe.
"Petersilie" verweist darauf, dass sie gerne als Petersilien-Ersatz in der Küche benutzt wird.
Aufgrund ihrer heilenden Wirkung, wird der Pflanze auch Heilrauf und Heilreif nachgerufen. Vor allem wenn man ihn an Pfingsten verwendet, soll er gegen vielerlei Krankheiten helfen.
Auch Tiere, wie die Katze, Ziege und Zicke, ließen sich von wildem Katzenkraut, Katzenminze, Zickelskräutchen, Zickelskräutlein, Zieckelkräutchen begeistern.
Über die vorhin genannte Anwendung von Bauern bei ihren Vieh hinaus, galt die Gundermann bis ins 17. Jahrhundert als eine Nahrungspflanze und einer der wichtigsten Biergewürzen bei Bierbrauern, erkennbar an den Namen Erdhopfen und Gartenhopfen.
Neben der anregenden Wirkung verlieh sie auch einen aphrodisierenden Effekt. Das war der Kirche natürlich ein Dorn im Auge. Deshalb wurde sie von Mönchen durch den einschläfernden und lustmildernden Hopfen ersetzt.
Hildegard von Bingen gab den Vorschlag das Kraut bei Tinnitus zu verwenden:
"Aber auch der, dem üble Säfte dem Kopf wie ein Rauch plagen, so dass seine Ohren wie ein Geräusch von Wasser klingen, der bringe Gundelrebe in warmen Wasser zum Sieden und nach Ausdrücken des Wassers lege er es so warm um seinen Kopf und dieses Kraut mindert den Rauch, der in seinem Kopf ist, durch seine guten Kräfte und es öffnet das Gehör in seinen Ohren".
Vollständigkeit ist nicht garantiert.
2.
Pflanzenfamilie
der Lippenblütler - Lamiaceae
Volkstümliche Namen
- Blauhuder
- Buldermann
- Donnerrebe
- Donnerkraut
- Erdhopfen
- Engel(s)kraut
- Gartenhopfen
- Gundam
- Gundelrieme
- Gundelelse
- Gutermann
- Gunelreif
- Gundelrebli (schweizer-deutsch?)
- Gundelrebe
- Gewitterblume
- Heilrauf
- Heilreif
- Huder
- Katzenkraut
- Katzenminze
- Kranzkraut
- Maßhold
- Silberkraut
- Soldatenpetersilie
- Totenkraut
- Udram
- Udrang
- Wideruf
- Wunderrebe
- Zickelskräutchen
- Zickelskräutlein
- Zieckelkräutchen
Franz Dornseiff listet in seinem “Deutschen Wortschatz” von 1959 allein 50 Synonyma für den Gundermann auf.
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Inhaltsstoffe
- ätherisches Öl (Pulegon, Menthon, Pinocarvon) -> Haupttäger der entzündungshemmenden Wirkung
- Bitterstoffe: Glechomin (bisher unerforscht)
- Flavonoide (Luteolin, Apigenin, Quercetin, Cosmosiin)
- Glykoside: Glucopyranoside und Neohesperidoside
- Harz
- Mineralstoffe (Kalium, Kieselsäure)
- organische Säuren (Essigsäure, Weinsäure, und auch Saponine)
- Polyphenole (Phenolsäuren, Gerbstoffe)
- Tannine
- Triterpenoide (Sitosterol, Ursolsäure, Oleanolsäure)
- Vitamin C
wie welche Inhalrsstoffe genau im Körper wirken, kenne ich mich auch noch nicht komplett aus, aber werd ich Schritt-für-Schritt verstehen lernen
Wirkungen
- antioxidativ
- antibakteriell
- appetitanregend
- auswurffördernd
- blutdrucksenkend
- blutstillend
- blutzuckerspiegelsenkend
- belebend
- entzündungshemmend
- entschlackend
- gallenanregend
- krampflösend
- leberprotektiv
- magenprotektiv
- milchflussanregend
- neutralisierend und entgiftend (da die Gerbstoffe Schwermetalle (wie Quecksilber, Blei und Pestizide) binden sollen; daher war er früher oft in Schnupftabak zu finden; auch Maler tranken Gundermanntee gegen den Blei in der Farbe; Bergbauknappen nutzten Gundermanntee auch zur Reinigung des Körpers von Schwermetallen)
- nierenanregend
- regenerierend
- schleimlösend
- stoffwechselfördernd
- verdauungsfördernd
- zusammenziehend und trocknend (äußerlich)
Anwendungsgebiete
- Augenprobleme
- Anregung des Stoffwechsels
- Abzessen
- Blutarmut
- Blasenschwäche, verbessert Harnausscheidung
- chronische Nasennebenhöhlenerkrankung
- Drüsenschwellungen
- Diabetes
- Durchfall
- entzündliche Erkrankungen
- Entzündungen der Mundschleimhaut (Gundermannwasser gurgeln)
- Gliederschmerzen
- generell Schleimhautentzündungen
- Husten
- historisch und in der Volksmedizin besonders Magen-Darm-Katarrhe
- Hämorrhoiden
- Kopfschmerzen
- Menstruationsbeschwerden
- Milz- und Leberstau
- Nieren- und Blasenschwäche
- rheumatische Schmerzen
- Rekonvaleszenz
- Schnupfen
- Störungen des Magendarmtraktes, wenn Salzsäuremangel vorhanden ist
- unreine Haut
- Wundheilung
- Zahnschmerzen (Zahnfleisch mit Stängeln einreiben -> Schmerzlinderung)
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Anwendungsbeispiele
- Aperitif
- Badesalz
- Gewürz
- Germanen tranken ihn gerne mit Bier
- Gesichtswasser für unreine Haut
- Kräutersuppe (hab ich mit Brennessel und Gundermann zusammen gemacht)
- Kräuterbutter (z.B. mit Kefir :P)
- Kräuterquark
- kann man auch Rauchen als Beimischkraut bei Kräuterzigaretten -> wenn man es in einer Pfeife zusammen raucht, unterstützt es zwischenmenschliche Beziehungen, wie die Familie und auch Freunde.
- Limonade (z.B. Wasserkefir oder Kräuter, wie Giersch)
- Paste
- Pesto (mit mehreren Kräutern geeignet, beispielsweise)
- Risotto
- in Salaten
- Salz (pfeffriger Geschmack, geeignet auf Fleischgerichten um Verdauung zu fördern)
- Tinktur, z.B. als Ölauszug (z.B. mit Olivenöl) oder mit Alkohol
- Tee
Merkmale
- Wuchshöhe: 15-30 cm
- Boden: schattige Wiesenflächen. nährstoffreich, feucht, kalkhaltig, wenig sauer, stickstoffreich
- Wurzel: Flachwurzler
- Stängel: viereckig, haarig und zumeist kriechend; Stängel ranken sich zu Knoten, sodass daraus die Wurzeln wachsen
- Blätter: kreuzgegenständig angeordnet stehend, dessen Rand starke Kerben aufweist, obere Blattseite & untere Blattseite sind dunkelgrün bis rötlich gefärbt
- Oberen Blätter: kurzstielig und herzförmig (anhand Herzform sieht man, dass es Herz stärkt)
- Untere Blätter: langstielig und eher nierenförmig (Die Nierenform zeigt, dass es gut für die Niere ist c:)
- Blüten: violett-blau (Herzchakra: blau, Zirbeldrüse: violett. Zusammenhang? da sollte ich mal Goethe's Farbtheorie studieren)
- Früchte: Teilfrüchte
- Duft: herb-würzig, aromatisch
- Geschmack: Erinnert manche an Minze, andere an ein leichten Thymian Aroma. Es schmeckt angeblich süßlich, und soll daher auch Süßspeisen abrunden.
Als ich es vor ein paar Tagen wiederentdeckte, schmeckte es so lecker, ein bisschen nach den perfekten Pizza-Gewürz. Mit anderen Kräutern wirkt der Geschmack der Gundermann nicht dominant.
Manche empfinden den Geschmack auch als zusammenziehend, ich denke, es ist abhängig von der Darmflora.
Nach 1-2 Tagen sammeln sind sie trocken und sehen so aus:
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Vorkommen
in Europa und Nordasien beheimatet
sehr geläufig und in sämtlichen Ländern als ungefährdet eingestuft
Sammelhinweise
- Sammelzeit: Hauptzeit März bis Juni; solange er sprießt also auch im Winter
- Fruchtreife: Juni bis August
- Für Mensch wirkt das Kraut allgemein als Heilkraut, kann trotzdem bei einer "Überdosis" zu Übelkeit führen, da das Kraut entgiftend wirkt und die Schadstoffe verständlicherweise so schnell wie möglich aus den Körper ausgeleitet werden.
Wechselwirkungen sind nicht bekannt. Es liegen keine ausreichende Daten vor für die Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit.
Giftig für Tiere, wie Pferde, Hamster, Meerschweinchen und Vögel aufgrund des Glechomin.
Verwechslungsgefahr!
eigentlich hat jede Pflanze einen giftigen Gegenspieler, der fast genauso aussieht. Allerdings habe ich keinen gefunden, sondern das vergessene Heilkraut Günsel und die Taubnessel.
Quellen:
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Vollständigkeit ist nicht Garantiert.
Beste Grüße,
charlissy