Bevor ihr mich heutet, teert und federt, bestätige ich gleich mal vorab das ich weiß das Weißherbst nicht aus weißen Trauben gekeltert wird. Ich stell mich halt ab und zu ganz gern ganz dumm. Das kann ich besonders gut, vermutlich habe ich eine Veranlagung wie sie andere zum schauspielern oder pokern haben.
Ich und meine Doofheit waren heute auf Spaziertour, ein klassischer Ausflug beginnend an der Haustüre, so wie man das Sonntags üblicherweise auf dem Land gemacht hat. Sehen und gesehen werden und zwar in den besten Rinder-Schuhen die man hat.
Leider kann ich die Zeit weder vor noch zurück drehen, sonst würde ich wohl öfter eine Reise zurück in die Zukunft und vor in die Vergangenheit unternehmen. So ist mir niemand begegnet, es war auch unangenehmes Wetter dabei. Den größten Unterschied zu früher habe ich in Form eines kabellosen Telefons mit Fotografie und Blitzfunktion mit mir herum getragen.
Dabei ist dieses Foto entstanden:
Bestimmt kann sich jetzt der eine oder andere denken wie der Titel entstanden ist. Das sind natürlich keine gammligen weißen Weintrauben sondern Rotweintrauben, und zwar ganz schön unreife Genossen. Es handelt sich um die Sorte Muskattrollinger, sie ist immer sehr spät dran mit der Reife und lässt für meinen Geschmack auch beim Zuckeranteil (immer) sehr zu wünschen übrig. Nichts desto trotz hat die Sorte in den letzten Jahren durch erfolgreiches Marketing an Absatz zugelegt.
Kaum zu glauben, aber auch der Muskattrollinger ist schon mitten in der Hauptlese, die ersten Termine sind schon verstrichen die ersten Weinberge schon geerntet. Vermutlich bin ich kein Fan dieser Traube, da ich es nicht zum ersten mal gesehen habe wie halb-grüne Trauben einen Wein ausmachen der dann als dunkel in der Farbe, herb im Geschmack, vielschichtig und irgendwas mit adstringierenden Bitternis beschrieben wird (es schnürt einem die Kehle zu).
Der gesamte Weinberg sieht so aus, ich habe nicht die schlimmste Ecke gesucht. Zum essen ist die Sorte zugegebenermaßen gut geeignet durch die überdurchschnittliche Größe und wenig Kerne. Aber eine Traube bei der die Hälfte grün ist braucht man auch nicht als Esstraube anzubieten.
Ihr seht ich werde kein Fan mehr von Muskattrollinger, reife Trauben die zu Wein gekeltert werden sind mir bedeutend lieber.
Zur Ehrenrettung des Muskattrollinger muss ich allerdings eingestehen das die Lage speziell dieses Weinbergs eher ungünstig ist. Er hat eine leichte Neigung zur Nordseite, das muss nicht unbedingt ein Nachteil für die Qualität sein. Wenn man genügend Trauben vorzeitig herunter schneidet und mit weniger Menge kalkuliert, erreicht man auch überdurchschnittliche Öchslegrade. Kurz gesagt nicht alle Muskattrollinger sehen so aus wenn sie geerntet werden, aber diese haben höchstens noch eine Woche dann ist der letzte Termin zur Lese der Sorte bei vielen Genossenschaften und Keltern verstrichen.
Auf der anderen Seite muss man auch bemerken das besonders hier im Südwesten der Rotwein klassischerweise ein leichter Wein mit wenig Alkohol ist. Also alles ok, und kann unter Kultur abgehakt werden.
Nur um die Leute die nicht so bewandert in Württemberger Wein sind nicht völlig zu verunsichern: Es gibt durchaus guten Rotwein aus Württemberg. Das Problem ist die Größe des Muskattrollinger der sehr viel Zeit und Wasser benötigt um reif zu werden. Andere Sorten (die meisten) sind kleiner, schneller reif und haben eine höhere Qualität (Öchsle).
HIVE ON
mit einem Schluck Wein
aber nicht von dem da oben!