So unterschiedlich unsere Zugänge sind, sie berühren sich an einem Punkt. Du beschreibst Sprache als Werkzeug, als Material, das je nach Einsatz trägt oder kippt. Ich schaue eher auf das, was passiert, wenn dieses Werkzeug nicht mehr reibungslos funktioniert.
Dein Text ist selbst kein neutrales Paket - er ist dicht, körperlich, überladen mit Bildern. Genau dadurch entsteht Wirkung, aber auch Widerstand. Man muss mitgehen wollen, sonst bleibt man stehen. Das meine ich nicht wertend, eher beschreibend.
Vielleicht liegt genau dort eine interessante Differenz:
Du gehst davon aus, dass Sprache formbar ist und ihre Qualität vom Umgang abhängt. Mich interessiert der Moment, in dem Sprache sich dem Zugriff entzieht - nicht weil sie schlecht gebraucht wird, sondern weil sie mehrere Lesarten zugleich trägt.
Dass Irritation dort sinnvoll wird, wo wir zu schnell glauben, verstanden zu haben, darin treffen wir uns. Ob sie aus schlechtem Material entsteht oder aus zu viel Bedeutung auf engem Raum, ist vielleicht weniger entscheidend als die Frage, was wir daraus machen.
RE: Wenn Sprache irritiert