Schul-Pflicht Teil 1
Mit meinem Mittwochsquickie Chancen für Steemit habe ich geworben für mehr spielerische Leichtigkeit in unserem Leben.
- Warum können wir nicht Arbeit und Spiel zusammenbringen?
- Warum werden wir immer effizienter und verkopfter?
- Warum sind Kinder bereits im frühesten Alter in Institutionen untergebracht?
- Warum beginnt der Ernst des Lebens mit der Schule?
- Warum wird das Spiel an sich nicht mehr gewertschätzt?
Meine eigenen Erfahrungen
Spiel und Arbeit in genialer Kombination
Ich spiele gern. Schon immer und hatte das Glück, einen Job zu haben, bei dem ich Arbeit und Spiel verknüpfen konnte. Als Kindergartenleiterin war ich jeden Tag umgeben von kindlichem Spielen, Lernen, Lachen und Erkunden. Auf der anderen Seite waren meine menschlichen und fachlichen Kompetenzen "gefragt" - also optimal (ganzheitlich).
Verschulung der Kindergärten
Als ich meine Ausbildung Ende der 70er begann, war der Begriff "Kindergärtnerin" noch durchaus geläufig. Über kurz oder lang hieß es dann nur noch "Erzieherin".
In Kombination mit der neuen Begrifflichkeit "Schulfähigkeit" statt "Schulreife" entstand ein völlig neues Bild der kindlichen Entwicklung.
Statt auf Reife und Wachstum (Kinder-Garten) zu setzen, konnten wir jetzt an Kindern "ziehen" und sie schulfähig "machen" - in Kinder-"Tagesstätten"!
Schulfähig machen - so nicht!
Wirtschaftliches Denken für soziale Einrichtungen
Gleichzeitig hielten Methoden und Mechanismen aus der Wirtschft Einzug in die unterschiedlichen sozialen Einrichtungen. Die Konzeptionen wurden überarbeitet und ergänzt durch jede Menge Schreibkram - Zeit, die für die Kinder/Kranken/Alten... fehlt. (Was zusätzlich noch durch einen unwürdigen Personalschlüssel verstärkt wird.)
- Qualitätssicherung
- Dokumentation
- Evaluation
- Qualitätsmanagement
Meine optimale Mischung von Arbeit und Spiel ist somit obsolet. Kinder werden gefördert an allen Ecken und Enden (=ziehen) - und das auch mit externer Unterstützung von Profis. Ganze Berufszweige profitieren davon: Logopäden, Ergotherapeuten, Krankengymnasten, Ernährungsberater, Psychologen, Ärzte...
Dabei geht es nie um die Frage, warum auf einmal so viele Kinder so früh bestimmte Auffälligkeiten (Sprache, Beweglichkeit, Allergien, Fettleibigkeit, ...) zeigen. Heutzutage ist es normal geworden, die Ursachen außer Acht zu lassen, weil es ja bereits zahlreiche Lösungen gibt. Der Rubel rollt und wir können so weiter machen wie bisher...
Was ist denn heute anders?
Dies ist doch einmal eine Frage, die sinnvoll und zielführend ist. Hier meine Antworten, die natürlich völlig subjektiv und unvollständig sind!
- Kinder werden immer mehr von ihren ursprünglichen Lernwegen abgespalten zu Gunsten einer Verschulung, deren Ineffektivität inzwischen an vielen Stellen deutlich wird.
- Kinder können ihren Bewegungsdrang (auch in der Kita!) nicht mehr ausleben, was nicht nur Konsequenzen für die körperliche Gesundheit hat, sondern auch für Geist und Psyche.
- Kinder haben wenig emotionale Stabilität in der eigenen Familie und in der direkten Nachbarschaft.
- Kinder haben zu wenig Gelegenheiten, FREI zu spielen und sich so selbst weiter zu entwickeln.
- Phantasie, Spontaneität und Kreativität ersticken in Lernprojekten, Schablonenbasteln und methodisch-didaktischen Spielen/Lernangeboten.
- Kinder sind im Visier der Konsumindustrie und lernen früh, materielle Belohnung zu akzeptieren und künstlich-erzeugte Wunschwelten zu übernehmen.
- Kinder erlernen selbständig u.a. gehen und sprechen. Warum müssen sie dann auf einmal nach dem Ermessen der Erwachsenen beschult werden?!
Hinterfragen ist aus der Mode gekommen
Seit fast 10 Jahren bin ich raus aus diesem System - eine Änderung von innen heraus ist mühselig. Es beginnt meist damit, dass ich die jungen Erzieherinnen erst einmal mit ins Boot holen muss. Sie sind selbst schon nicht mehr mit "Spielen auf der Straße, im Knick, am Bach..." und auch nicht mit "offenen" Verabredungen groß geworden wie: "Wir treffen uns nachher draußen!" Sie kennen es nicht anders und haben keine Fragen.
Wir gewöhnen uns an alles. Schritt für Schritt. Wer hinterfragt "Schule"? Einige wenige. Warum gibt es bei uns in Deutschland nicht - wie in vielen anderen Ländern - eine Bildungspflicht statt Schulpflicht? Was bedeutet es eigentlich, wenn ich mein Kind 8 Stunden fremden Menschen "überlasse"? Denkt da jemand darüber nach?
Die Kita wird inzwischen nach den Öffnungszeiten ausgewählt, nicht nach der Konzeption. Berufstätige Eltern haben nicht viel Gelegenheit etwas zu hinterfragen. Ihnen ist ja selbst nicht klar, warum SPIELEN immens wichtig ist für ihr Kind - und für sie selbst!
Wenn wir schon im Hamsterrad stecken, dann aber bitte mit Humor!
Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat! Albert Einstein
Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Friedrich Schiller
Und hier noch ein ganz interessantes Zitat zu Spiel und Digitalisierung:
Die industrialisierte Welt wurde durch Routine bestimmt, die digitalisierte durch Spielen. Nando Stöcklin
Mein Wort zum Sonntag:
Fangt wieder an das Leben zu spielen!
Fotos: pixabay, Collage: Canva
Mein Wort zum Sonntag:
Episode 1 Was ist ein Mensch wert?
Episode 2 Wem nutzen Froh-Sinn und Spiel-Chaos auf Steemit?
Episode 3 Steemit - Quo Vadis?
Episode 4 Mensch - Quo Vadis?
Episode 5 Bildung - Quo Vadis?
Episode 6 Die Kunst des Schreibens - Erwische den richtigen Flow
Episode 7 Prioritäten - Flow oder Perfektion?
Episode 8 Alles Leben kommt aus der Natur
Episode 9 Der Ton macht die Musik
Episode 10 Kinder als Zielgruppe im Visier
Episode 11 Regenbogen und Zebra als Freund und Helfer bei Stimmungstiefs
Episode 12 Train your brain
Episode 13 Urlaub - Steem ON und Steem OM
Episode 14 Thanksgiving - Erntedank Einmal im Jahr dankbar sein
Episode 15 Egal was kommt, mach was draus!
Episode 16 Große und kleine Abschiede fordern
Episode 17 Naturwissenschaft braucht Beziehung zur Natur
Episode 18 Leere
Episode 19 Schule spielen