Immer wieder finde ich es erstaunlich, wie gut man die Meinung vieler (der meisten?) Menschen zu einem bestimmten Thema voraussagen kann, wenn man ihre Ansichten zu einem bestimmten anderen Thema bereits kennt.
Wer also zu Thema X Meinung A hat, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Thema Y dann auch Meinung B - so als lägen bestimmte Thema-Meinungskombinationen meist als komplette Pakete in den Gehirnen der Menschen vor.
These: Die politischen Ansichten eines Menschen korrelieren meist miteinander!
Obwohl Themen wie Energie, der Umgang mit Sprache, Gleichberechtigung der Frau, Ernährung, Steuern, Einstellung zum Krieg in der Ukraine oder zum Thema Migration unterschiedlicher nicht sein könnten, gibt es doch offenbar ganz typische Meinungsspektren (ich nannte sie im Titel "politische Meinungsmuster"), wobei es z. B. relativ selten vorkommen dürfte, dass jemand gegen eine Frauenquote aber fürs Gendern im deutschen Sprachgebrauch eintritt.
Gibt es sie also doch, die typischerweise als "links" oder "rechts/konservativ" bezeichneten, sich unversöhnlich gegenüberstehenden Blöcke von Menschen bestimmter homogener politischer Einstellungen? Meiner Erfahrung nach in den meisten Fällen: Ja!
Lasst uns einen Test machen!
Zu zwölf heiß diskutierten politischen Themen stelle ich "links-grüne" und "rechts-konservative" Positionen (so wie ich sie erwarten würde) gegenüber und frage euch, ob ihr ins Schema passt oder eher - so wie ich - keinem der Blöcke zuordenbar seid, sondern euch, je nach Thema, mal auf der einen, mal der anderen Seite des politischen Spektrums wiederfindet?
Um auch selbst Farbe zu bekennen, erzählt die vierte Spalte meine Sicht der Dinge.
Mein Tipp: Bei den meisten von euch werden entweder vor allem "links-grüne" oder "rechts-konservative" Positionen klar dominieren.
Teilt mir eure Ergebnisse im Kommentarbereich mit!
Auf jeden Fall bietet dieser Post euch reichlich Gelegenheit, endlich mal eure Meinungen zu den verschiedenen Themen kundzutun. :)
Gerne könnt ihr auch Einspruch erheben, falls ich eurer Meinung nach den beiden Lagern falsche Positionen zugeordnet habe (wobei eine grobe Übersichtstabelle selbstredend auch nicht den Anspruch erhebt, die verschiedenen möglichen Einstellungen zu den vielfältigen Themen differenziert und detailreich herauszuarbeiten - es geht mir hier mehr um generelle Tendenzen). :-)
Hier nun die 'Thementabelle':
Thema |
Typisch links-grüne Position |
Typisch rechts-konservative Position |
Meine Einstellung zum Thema |
1. Ernährung(vegetarisches/veganes Essen, Insekten-/Algennahrung, Retortenfleisch) |
Eher ja, Neuem gegenüber aufgeschlossener; Kritik an der Massentierhaltung, tendenziell pro Bio-Lebensmittel | Eher ablehnend ("Ich will mein gewohntes Schnitzel haben und damit basta!"), Massentierhaltung gegenüber weniger kritisch, weniger interessiert an Bio-Lebensmitteln | Eher ja, will alles ausprobieren, gegen Massentierhaltung, pro Bio-Lebensmittel (schmecken mir auch besser) |
2. Energie |
Tendenziell eher auf regenerative Energiequellen setzend, Ablehnung von Atomkraft (auch von Kernfusion). |
Sind eher pro Atom (Kernspaltung und -fusion).
Regenerative Energiequellen werden tendenziell kritischer bewertet ("Keine Grundlastfähigkeit"). |
Würde voll auf regenerative Energiequellen setzen, Energie aus Kernspaltung halte ich allein aufgrund des anfallenden Atommülls für nicht zukunftsfähig, würde aber auch die Kernfusion fördern. |
3. Autoantriebe |
Setzen eher auf Elektroautos. | Wollen die auf fossilen Brennstoffen basierende Antriebstechnologie ausreizen und lehnen tendenziell Elektroautos eher ab ("Batterien sind Mist, wenn überhaupt, dann doch wohl in Zukunft die Brennstoffzelle!"). | Ich halte die Förderung von Elektroautos für sehr sinnvoll und absolut geboten (die Akkus werden immer leistungsfähiger und können aus immer umweltfreundlicheren Materialien - z. B. LiFePO4-Akkus - hergestellt werden), würde aber auf jeden Fall auch die Brennstoffzellenautoentwicklung vorantreiben). |
4. Klimawandel |
"Der Menschen ist der Hauptverursacher." | "Das Klima hat sich schon immer verändert, der Mensch spielt dabei eine eher marginale Rolle." | "Ja, das Klima verändert sich auch ohne den Menschen, aber einer der Hauptfaktoren des derzeitigen, sehr schnellen Temperaturanstiegs sind menschliche Aktivitäten." |
5. Coronavirusund Gegenmaßnahmen |
Das Virus wird als gefährlich eingestuft, Impf- und Maskenpflicht sowie Ausgangssperre etc. gelten überwiegend als adäquate Maßnahmen. | Das Virus wird als eher harmlose Gefahr neben anderen wahrgenommen, und die Maßnahmen werden als deutlich überzogen bewertet. |
Ich als Biologe halte RNA-Impfstoffe aufgrund ihres Wirkmechanismus prinzipiell für nicht besonders kritisch und Impfungen damit für sinnvoll; bin aber gegen Impf- und Maskenpflicht sowie insbesondere gegen Ausgangssperren.
Im Gegensatz zum Beginn der Pandemie hatte mittlerweile jeder, der wollte, die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, und die durchschnittliche Gefährlichkeit der Virenvarianten nahm ab. |
6. Gendern |
Dafür | Dagegen | Dagegen |
7. Frauenquote |
Dafür | Dagegen | Dagegen |
8. Krieg in der Ukraine |
"Russland trägt die alleinige Schuld!" |
"Der Krieg wurde letztlich von den USA provoziert und Westeuropa folgt, wie immer, brav."
Auch wer obigem Satz nicht zustimmt, sieht die Schuldfrage tendenziell weniger einseitig. |
"Russland hätte niemals angreifen dürfen und muss dafür verurteilt werden.
Allerdings war auch das Verhalten des Westens im Vorfeld des Krieges teilweise äußerst kritikwürdig." |
9. Steuern |
"Je höher (vor allem für die Reichen), desto besser! Der Staat muss Infrastruktur und Bildung finanzieren!"
Durch komplexe Steuergesetze wird versucht, möglichst viel Gerechtigkeit zu erzielen. |
"Steuern sind Raub!"
Es gibt auch weniger absolute Positionen, aber generell werden hohe Steuern eher kritisch gesehen. |
Ich bin für möglichst niedrige Steuern und vor allem auch ein pragmatisches, einfaches Steuersystem. |
10. Migration |
Eher aufgeschlossen, insgesamt weniger restriktiv | Sind für strenge Einwanderungsregeln, restriktives Asylrecht, erschwerter Ehegattennachzug, schnelle Abschiebungen. |
Prinzipiell bin ich für die Freiheit jedes Menschen, (mit einem Partner seiner Wahl, ohne ausufernde Visa-Probleme) zu leben, wo er will (ohne jedoch das Recht auf automatische Versorgung in Anspruch nehmen zu können), da ich ohnehin Staaten als Relikt der Vergangenheit betrachte (siehe auch die 'Linienschützer').
Solange jedoch eine in Staaten unterteilte Menschheit existiert, kann ich den Wunsch nach schneller Abschiebung von ausländischen Straftätern gut nachvollziehen. |
11. Überwachung(von privater Kommunikation, Finanztransaktionen, Reisebewegungen etc. des Bürgers) |
Tendenziell wird mehr Wert auf eine restriktive Überwachung aller Finanztransaktionen ("gegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Terrorfinanzierung") als auf die Überwachung privater Kommunikation gelegt. | Tendenziell wird mehr Wert auf eine restriktive Überwachung privater Kommunikation ("Terrorisusbekämpfung") als auf die Kontrolle von Finanztransaktionen gelegt. | Meiner Meinung nach priorisieren fast alle Parteien Überwachung zwecks Kriminalitätsbekämpfung gegenüber dem Recht auf Freiheit und Privatsphäre des Bürgers, so dass letzterer immer gläserner, staatliche Institutionen immer intransparenter werden - m. E. keine gute Entwicklung. |
12. Kryptowährungen und Blockchaintechnologie |
Vor allem negative Aspekte werden betont, die Technologie wird weder gefördert, noch ihr Potential erkannt.
Der Bitcoin wird aufgrund seines PoW-Mechanismus verdammt, ohne Ideen wie, z. B. PV-Anlagen durch flexibles Mining erst profitabel zu machen oder Stomnetze dadurch zu stabilisieren, überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. |
Sind Kryptowährungen und Blockchaintechnologie gegenüber tendenziell deutlich aufgeschlossener. | Das dürfte kein Geheimnis sein. :-) |
Zum Schluss ein persönlicher Appell:
Wem auch immer euch dieser kleine 'Test' nun zugeordnet haben mag, denkt vielleicht einmal darüber nach, dass es zu den meisten Themen gute Argumente für beide Seiten gibt und auch ein Austausch mit Menschen unterschiedlicher Meinung durchaus interessant und anregend sein kann, solange sich die Gesprächspartner gegenseitig respektieren und freundlich miteinander umgehen.
Leider werden viele politische Debatten (auf politischer Ebene, in unsäglichen Talk-Shows, aber auch in den Kommentarspalten von Zeitungen, Foren und Social-Media-Kanälen) mittlerweile derart erbittert geführt, wobei es oft nur noch darum geht, das Gegenüber niederzubrüllen oder seiner (angeblichen) Unwissenheit wegen bloßzustellen, dass der eigentliche Sinn einer Diskussion - beidseitiger Erkenntnisgewinn und die gemeinsame Suche nach Lösungen für drängende Probleme - oft völlig in den Hintergrund tritt.
Habt eure Meinungen und Überzeugungen, verteidigt sie auch gerne, aber respektiert einander, und seid im Zweifelsfalle auch einmal dazu bereit, ein Gegenargument zu akzeptieren und daraus zu lernen!