Schul-Pflicht Teil 3
Meine Schulzeit...
... das Thema lässt mich zur Zeit nicht los. Meine eigenen Erfahrungen mit Schule sind jetzt nicht so offensichtlich dramatisch gewesen... dennoch glaube ich, dass mich diese Zeit in einer Art und Weise geprägt/erstickt hat, die ich heute noch aus meinen Zellen schütteln muss.
Wie oft habe ich Fragestellungen nicht richtig beantworten können, weil ich die Fragen ganz anders aufgefasst habe, als sie gemeint waren?
Wie oft habe ich meine Antworten unklar ausgedrückt = falsch und jemand anders gab die richtige Antwort = nur mit anderen Worten meine Antwort?
Heute noch ist meine Denkweise oft sehr verschieden von Menschen meiner Umgebung, was natürlich zu Missverständnissen bis hin zu Unverständnis führt. Ich ticke in vielen Dingen anders. Da in der Schule alles an einer bestimmten Norm orientiert ist, kam ich da nicht drin vor. Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich das Abitur geschafft habe. Das eigentliche Wunder für mich war es, dass niemand etwas davon bemerkt hat. In der Schule ist wenig Raum für Andersartigkeit und Individualität. Wie sollte ein Lehrer auch einer Klasse mit knapp 30 Individualisten gerecht werden? Das ist unmöglich, spielt aber irgendwie keine Rolle.
Ich wollte Lehrerin werden und es besser/anders machen, habe aber kurz vor dem ersten Staatsexamen aufgehört, weil mir klar wurde: Ich möchte nicht erreichen müssen, dass am Ende des Jahres alle Schüler lesen, schreiben und rechnen können.Ich möchte nicht mit ihnen Experimente machen, anstatt die Natur der Dinge an Ort und Stelle zu erfahren... So bin ich im Kindergarten gelandet mit der Hoffnung, dort noch etwas zu bewegen. (Vgl. Schul-Pflicht Teil 1)
Schul-Karriere
Es mögen Einzelfälle sein, aber ich höre und lese immer mehr darüber. In Schul-Pflicht Teil 2 habe ich auf die Artikelserie hier auf Steemit von hingewiesen Die Flucht - Die dunklen Jahre, in der sie ihre Schulodyssee mit ihrem Sohn beschreibt.
Aktuell gibt es eine Doku vom WDR "Die Story" zu einem ungewöhnlichen Prozess: "Ein Schüler verklagt den Staat", weil...
Der 22-jährige Nenad Mihailovic verklagt das Land Nordrhein-Westfalen am Kölner Landgericht. Elf Jahre lang ging Nenad auf eine Förderschule für Geistige Entwicklung in Köln, obwohl er gar nicht geistig behindert ist. Noch nie hat in Deutschland jemand versucht, für die Zeit auf einer Sonderschule zu klagen. Dieser einmalige Fall wirft viele Fragen auf: Wie konnte es passieren, dass ein normal begabtes Kind elf Jahre lang auf einer Schule für geistig Behinderte festgehalten wurde? Und ist Nenad vielleicht kein Einzelfall? (Beschreibungstext auf Youtube)
Es geht auch anders
Nenad hatte nicht das Glück, Verständnis bei den Lehrern zu finden - seine Diagnose wurde nie hinterfragt. Unser heutiges Schulsystem macht es Lehrern allerdings auch nicht leicht.
Ein positives Beispiel schildert der Top - Motivationssprecher Clint Pulver aus seiner Schulzeit. Ein Lehrer hatte genau die richtige Idee zur richtigen Zeit...
Du bist kein Problem...
Wie viele Kinder glauben, sie seien das Problem bzw. sie sind es, die Probleme verursachen? Wie fühlt man sich wohl, wenn man so aufwächst? In wie weit kann dann eine freie Entwicklung gelingen?
In vielen Familien ist "Schule" eine Hauptursache für Stress und Streit.
Es ist legitim zu fragen, warum die Schulpflicht nicht in Bildungspflicht umgewandelt werden kann.
Fotos: pixabay und Hans Traxler "Chancengleichheit" Collage: Canva
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